Lochgott

Rudolf Klein


Rudolf Klein, in weiten Teilen der Welt auch als Ruud, Rudi oder Ivan Klein bekannt, heißt seit neuestem Rudolf III. Klein, was wohl eine Referenz auf und Reverenz vor dem großartigen Sänger Loudon Wainwright III und/oder ein Symptom von Größenwahn darstellt. Letzteres kann sogar als gesichert gelten, denn unter Vorspiegelung ziemlich fadenscheiniger Erweckungserlebnisse nutzt Klein den aktuellen Religiositätsboom aufs Unverschämteste, um die Botschaften eines seltsamen Gottes unters Volk zu bringen. Diese sind freilich angesichts ihrer Tendenz und der vollständigen Unkenntnis der Regeln deutscher Beistrichsetzung unschwer als Hervorbringungen des sauberen Herrn Klein zu enttarnen, der hier ein neues, ausgesprochen breites Format für sein bereits Jahrzehnte währendes Trachten findet, die Welt solle sich endlich auch so scheiße fühlen, wie sie tatsächlich sei.
Das Ansinnen zweier halsloser Witzfiguren, es möge "mehr Optimismus in unserem erbärmlichen Leben" walten, wird vom "Lochgott" (der aussieht wie eine Schallplatte – ein klandestiner Hinweis auf die Vinylleidenschaft, mit der sich der Autor sein Leben ruiniert hat) naturgemäß mit einer zynischen Replik bedacht: "Da seid ihr hier genau richtig – dieses Loch ist halb voll mit Gott!!" Schade bloß, dass diese dreisten Darbietungen im Standard und nicht in der Furche veröffentlicht werden.Ⱜ

Klaus Nüchtern in FALTER 46/2007



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