Der Fall untreue Klára

Michal Viewegh


Spiel der Begierde

Ein Mann wird bei einem Privatdetektiv vorstellig. Er gibt an, kein typischer Klient zu sein, der seine Frau der Untreue verdächtigt, sondern stellt sich als Autor vor. Er habe vor, einen Roman zu schreiben, dessen Held, ein Privatdetektiv, eine untreue Ehefrau beschatten soll, und erhoffe sich Informationen aus erster Hand, um diese für sein Buch zu nutzen. Genau dieses Buch scheint der Leser mit "Der Fall untreue Klára" des tschechischen Autors Michal Viewegh in Händen zu halten. Viewegh, wie der Autor seines Romans in seiner Heimat ein Bestsellerautor, lässt in dem raffiniert gebauten Text ein Alter Ego namens Norbert Cerny langsam den Verstand verlieren. Denn Cerny – der Detektiv und der Leser haben es schnell bemerkt – recherchiert zwar schon für ein Romanprojekt; in erster Linie aber ist der 40-Jährige eben doch nur ein weiterer typischer Klient der Detektei von Denis Pravda (zu deutsch: Wahrheit) und unglaublich eifersüchtig, was seine 20-jährige Freundin Klára betrifft. Er verdächtigt die Sinologiestudentin, ihn mit einem Studienkollegen zu betrügen.
Was als normale Beschattungsaktion beginnt, entwickelt sich zu einem komplexen Spiel der Begierden, das auch den Detektiv als Akteur miteinschließt. Wobei der ziemlich feinfühlige und kultivierte Schnüffler sich irgendwann nicht mehr sicher ist, ob er nicht nur eine Erfindung von Cerny ist. Viewegh gelingt in seinem Roman, der locker mit den Mustern des Kriminal- und Liebesromans spielt, ein Selbstporträt voller Ironie. Die Beziehung eines Autors zu seinen Figuren, so erfährt man, ist sowohl von Allmachtsgefühlen als auch von Eifersucht geprägt: Er hat Angst, dass seine Kreaturen zu viel Eigenleben entwickeln und ihm entgleiten könnten.
Bei aller Selbstreflexion vergisst der Autor aber nicht auf den Plot, der sich ums Fremdgehen auf mehr oder weniger hohem Niveau dreht. "Ihm gelingt die Symbiose zwischen Bedeutsamkeit und Unterhaltung", hat sein Kollege Thomas Brussig einmal über Viewegh festgestellt. Stimmt. Und wieder ist es ihm geglückt, Lesefutter mit Mehrwert zu liefern.￿

Sebastian Fasthuber in FALTER 46/2007



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