Literarische Erzählung oder kritische...

Hans U Wehler


"Die Narrativitätsapostel sind rundum gescheitert" – Hans-Ulrich Wehler wettert gegen die neuen Ansätze in der Geschichtswissenschaft. Vor gut einem Jahr referierte der Bielefelder Historiker anlässlich der "Wiener Vorlesungen" über das Verhältnis zwischen "literarischer Erzählung" und der von ihm vertretenen "kritischen Analyse", das er zum "Duell in der gegenwärtigen Geschichtswissenschaft" stilisiert. In Siebenmeilenstiefeln durchschreitet der Doyen der Sozialgeschichte zunächst frühere Kontroversen, die sich im 19. Jahrhundert zwischen Vertretern der hermeneutischen Wissenschaftsauffassung und jenen des Positivismus entsponnen. Die gegenwärtige Auseinandersetzung sei "keineswegs so brandneu, wie mancher glauben machen wollte", konstatiert Wehler.
Nach der sogenannten linguistischen Wende, die von der absoluten Vormacht der Sprache ausging, sei die Welt nur geronnener Text, der entziffert werden müsse, so Wehlers simplifizierende Interpretation neuerer Ansätze. Dagegen holt er zum großen Schlag aus und prangert insbesondere die diskursanalytischen Wege Michel Foucaults – reichlich polemisch – als Sackgassen an. Eine Alternative zur analytischen Geschichtswissenschaft, so Wehlers Fazit, habe die Diskurstheorie nach wie vor nicht anzubieten. Es sei darum geboten, zum "Pluralismus der historischen Potenzen", also zur Vielfalt der theoretischen Ansätze, zurückzukehren.

Fritz Trümpi in FALTER 45/2007



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