Harry Potter und die Heiligtümer des Todes...

J.K. Rowling


Alles ist gut!

Nach zehn Jahren ist Harry Potter angekommen. Viel hat sich verändert. Harry ist jetzt 17 Jahre und sieben Bücher alt. Mehrere Kindergenerationen haben mit ihm lesen gelernt (oder sich die Bücher auch nur ins Regel gestellt). So ziemlich jeder Kinderbuchverlag hat inzwischen seine eigene Zaubererserie im Programm. Wer weiß schon noch, dass Band eins als ganz normales Kinderbuch erschienen ist? Dass zuerst das Leserinteresse da war und dann erst die Medien kamen? Das alles zählt nicht unter dem Druck, alle zwei Jahre einen Folgeband zu schreiben und nun das Finale, und das bitte möglichst originell, damit alle Fans zufrieden sind und keine bösen Blogs schreiben.
Und tatsächlich, Joanne Rowling scheint Nerven zu zeigen. Nach einem rasanten Start mit gleich sieben Harrys und einem Mord tut sie sich in "Harry Potter und die Heiligtümer des Todes" überraschend schwer. Auf der Suche nach den Horkruxen, in denen der Bösewicht Voldemort Teile seiner Seele abgelegt hat, kommen Harry, Ron und Hermine kaum von der Stelle. Sie werden gejagt von einem faschistischen Polizeistaat, der "Schlammblüter" und deren Familien verfolgt. Schlecht gelaunt tingeln die drei durch England, und mehr als einmal muss der Zufall helfen. Als auch noch die "Heiligtümer des Todes" ins Spiel kommen, ist nicht nur Harry verwirrt, auch der Leser fragt sich, wie sich das alles noch ausgehen soll in diesem Buch.
Doch es bleibt spannend, es bleibt das Warten auf die alles erklärende Auflösung. Und Mrs. Rowling enttäuscht uns nicht. Sie bringt ihre Geschichte nach 4400 Seiten nachvollziehbar und ohne Kunstgriffe zu Ende. Die erwachsenen Hauptfiguren Dumbledore und Snape werden nochmals vielschichtiger. Sie sind die eigentlichen Stars der Buchreihe und mit derselben Empathie dargestellt, die Rowling ihrem Helden als Trumpf in die "Schlacht um Hogwarts" mitgibt. Diese Empathie ist keine Pose, kein bloßes Gutsein. Sie verlangt Entscheidungen, sie kostet Harry Potter fast alles.
Und dann die Überraschung nach dem Ende: ein Epilog von fast zynischer Harmlosigkeit, der zugleich eine Fortsetzung ausschließt. Zu nett, das Ende? Potter-Bücher sind zuerst Kinderbücher, und nach all den Grausamkeiten darf es heißen: Alles ist gut!

Thomas Aistleitner in FALTER 44/2007



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