Paare. Ein Reigen in vier Novellen

Martha Gellhorn


"Endlich hat Hemingway eine schöne Frau", soll Scott Fitzgerald gesagt haben, als sein Kollege 1940 zum zweiten Mal heiratete: Martha Gellhorn (1908–1998) war ab 1937 als gutbezahlte Reporterin an allen gefährlichen Hotspots der Welt, die Ehe mit Hemingway überlebte den Krieg indes nicht. Die hier versammelten Novellen sind zwischen 1954 und 1958 entstanden. "In guten wie in schlechten Tagen" handelt von einer weltfremden Amerikanerin, die seit 14 Jahren mit einem ziemlich schlaffen italienischen Grafen verheiratet ist, den auch der Einmarsch der Amerikaner nicht dauerhaft aus seiner melancholischen Lethargie zu reißen vermag. Das Paar "In Gesundheit und Krankheit" hat schon 16 Jahre Ehe hinter sich, aber während sich die filigrane Annette durch ihre schwere Krankheit noch zu verjüngen scheint, vergeht Ricky zusehends vor Hass auf seine unberührbare Frau, die er mit schlechtem Gewissen und einer Jüngeren betrügt.
Asymmetrisch auch das Verhältnis zwischen Helen und dem charismatischen Kriegsfotografen Tim Bara. Aber während "Bis der Tod uns scheide" erzähltechnisch arg aus dem Ruder läuft, erweist sich "In Reichtum und Armut" als wahres Feuerwerk sarkastischer Pointen und Dialoge, wenngleich die Novelle mit einem geschlechteruntypischen Sieg der Sanftmut endet: Alan verweigert sich der Politkarriereplanung seiner toughen Frau und beschließt, aufs Land zu ziehen und sich seinen Kindern zu widmen. Softies forever!

Klaus Nüchtern in FALTER 43/2007



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