Cake & Kuchen: 110 süße und pikante Rezepte

Ilona Chovancova


Kochen, kinderleicht gemacht.

Sieben Bücher für ein erfolgreiches Streben am Herd. Kochen kann so einfach sein. Man muss nur daran glauben.

Es gibt Jahre, da drängen sich sehr persönliche Kochbücher auf, Sammelwerke großer Köche. Es gibt Saisonen, da werden neue Trends kreiert. Manchmal fällt beides zusammen, wie bei Paul Bocuse und der Nouvelle Cuisine oder zuletzt bei Ferran Adrià und der Molekularküche. Dieser Herbst weist nichts derart Schwergewichtiges und Bedeutendes auf, aber einen kleinen Trend kann man doch erkennen: den zum Übersichtswerk, zum Handbuch, zum Küchenratgeber, zum Schlaumacher.

So schafft es sogar Großmeister Alain Ducasse ins Angebot, ohne selbst ein Kochbuch vorgelegt zu haben. Die Kochbuchautorin und populäre Fernsehköchin Sophie Dudemaine hat in Zusammenarbeit mit einem von Ducasses Köchen und mit Zustimmung des Meisterkochs 120 von dessen Rezepten so vereinfacht, dass sie auch der Durchschnittskoch herstellen kann. "Simplifier", vereinfachen: Mit diesem Erfolgsrezept ist Dudemaine, selbst keine gelernte Köchin, erfolgreich geworden. Der Stern hat Dudemaine bereits zu Frankreichs Martha Stewart ernannt, zu einer Frau also, die aus Ratschlägen und Kaufangeboten für den Haushalt ein Imperium aufgebaut hat. Dudemaine hat immerhin bereits zwölf Bücher veröffentlicht, sie vertreibt Backwerk, Geschirr und Utensilien unter ihrem Namen. "Ducasse ganz einfach" ist eine lustige Idee, es funktioniert und macht Spaß. Bloß sollte es niemanden auf die Idee bringen, einfach wäre einfach besser.

Unter dem gleichen Motto agiert Alfons Schuhbeck, bayrischer Starkoch, aus Funk und Fernsehen bekannt. "Einfach raffiniert" nennt er sein Buch, das zwar einige Nachteile hat: ein etwas biederes Design und ein Bofrost-Logo auf dem Cover sind nicht gerade einnehmend. Aber man lasse sich nicht täuschen: Schuhbeck versteht sein Handwerk und präsentiert eine moderne Alltagsküche mit ethnischen Einschlägen, starkem Fisch- und Meerestierteil, und alles prima nachkochbar.

Dass Ewald Plachutta einen Hang zum Enzyklopädischen hat, ist seit seinen mit Christoph Wagner verfassten Kochbucherfolgen bekannt. Nun schwebt der Wiener Rindfleischkönig aus der Aufklärung in parareligöse Sphären und hat eine Bibel verfasst, "Die Bibel der guten Küche", immerhin mit dem ratgeberischen Titel "Kochschule". Das Werk bringt eine Vielzahl von Schritt-für Schritt-Fotos, man kann mit dieseAnleitungen wirklich Kochen lernen. Diese Schule ist grundsolid und umfassend. Besonders inspirierend ist sie nicht. Aber für Anfänger hat es was Beruhigendes, wenn sie sehen, in wie viel Wasser man Gelatineblätter legt, wie man eine Rindssuppe ansetzt oder eine gefüllte Kalbsbrust herstellt. Dinge wie Hummer oder Seeigel, bei denen sich der fortgeschrittene Amateur am Kopf kratzt, sucht man vergebens. Aber es heißt ja Kochschule, nicht Hochschule.

Hohe Schule kann man einem anderen enzyklopädischen Werk nicht absprechen. Die Edition Täubner legt nach dem "Buch vom Fisch" nun "Das große Buch vom Wild" vor. Großartig fotografiert, gliedert es sich in Warenkunde, Küchenpraxis und Rezepte. Es richtet sich an Jäger wie an Endverbraucher, die sich für Wild deswegen interessieren, weil man es hier in den meisten Fällen wohl tatsächlich mit Bio zu tun hat. Eine Reihe von besternten und behaubten Spitzenköchen, darunter der Wiener Christian Petz, steuern die Rezepte bei. Auch hier geht es nicht ohne das eine oder andere Schritt-für-Schritt-Foto. Aber wie unvergleichlich elegant und inspirierend fallen sie aus! Sofort eilt man, um sich die Zutaten für die Rehrücken-Crepinette mit Gänsestopfleber und dreierlei Pilzen zu beschaffen.

Aus dem gleichen Haus kommt "Cucina Italiana", das sich ebenfalls nicht bloß Kochbuch nennt, sondern gleich "Kochkurs für Genießer". Ein guter und, wie fast alle Bücher aus der Edition Teubner, schön fotografierter und gestalteter, aber nicht allzu anspruchsvoller Band. Für Einsteiger geeignet, in Schritt-für-Schritt-Fotos von Crostini und Tramezzini aufwärts lernt man den Umgang mit der italienischen Küche.

Zum Dessert zwei Empfehlungen. Die erste, "Cake und Kuchen", ist eine schöne Überraschung, denn Ilona Chovancova, Autorin und Foodstylistin, hat nicht nur süßen, sondern auch pikanten Kuchen auf Lager: das sind prima Ideen für eine einfache, inspirierte Mahlzeit zwischendurch - ein Zucchini-Cake mit Parmesan oder ein pikanter Kürbiscake mit einem frischen Salat dazu macht alle glücklich und kostet nicht viel. Klassische Kuchenrezepte fehlen ebenfalls nicht. Besonders erfreulich sind die Anleitungen, selbst Cakes und Kuchen zu "erfinden", sie animieren zum Experiment.

Ein echtes Highlight ist der langerwartete "Larousse Schokolade" des Pariser Meisterpatissiers Pierre Hermé. Ein Monumentalwerk, wunderbar fotografiert. Auch hier: Schritt-für-Schritt-Fotos, Handlungsanleitung zum Umgang mit Schokolade und Zucker, Teigen und Kuvertüre. Das wird teilweise sehr anspruchsvoll, aber man kann sich beim Genuss mitunter aufs Schauen beschränken. Manche Rezepte hingegen sind ganz einfach. Der Schokolade-Gewürzkuchen ist bereits fürs Weihnachtsmenü vorgemerkt.

Armin Thurnher in FALTER 41/2007



ANZEIGE


FALTER abonnieren
×