Die verrückte Hutjagd

Sven Nordqvist


Wenn das Weltall schlecht riecht.

Diese Schweden! Die trendigsten Möbel, das krosseste Knäckebrot und dazu noch die lustigsten Kinderbücher!

Sven Nordqvist, der Erfinder von "Pettersson und Findus", hat mit "Die verrückte Hutjagd" einen neuen Coup gelandet. Was passiert, wenn ein Großvater eines Morgens seinen geliebten Hut nicht mehr findet und er ist in Schweden zuhause? Dann macht er sich im Nachthemd auf die Suche und begegnet dabei sprechenden Hunden, strickenden Hühnern, verrückten Schneidermeistern und Motorrad fahrenden Kaninchen.

Nebenbei trinkt er schätzungsweise 15 Tassen Kaffee und findet ein Stückchen Kindheit wieder. Und der Hut? Das wird nicht verraten, denn es macht viel zu viel Spaß, in Opas verrückt-idyllische Welt einzutauchen und die großartigen Illustrationen zu genießen. Das Wunderland muss in Småland liegen!

Ulf Stark und Eva Eriksson ist mit "Als Papa mir das Weltall zeigte" ebenfalls ein besonderes Kinderbuch gelungen. Ein ambitionierter Vater beschließt, seinem kleinen Sohn eines Nachts das Weltall zu zeigen und ihn in die Geheimnisse des Universums einzuweihen. Warum das Weltall näher ist, als Väter ahnen, und warum es manchmal unangenehm riecht und Väter auf die Palme bringt, erfährt man in dieser liebevoll bebilderten und mit feinem Humor erzählten Geschichte.

Dass schließlich bei Kakao und Käsebroten die Welt wieder in Ordnung und in ihrer gewohnten Umlaufbahn ist, ist nicht nur in Schweden so. "Die Sache mit Finn" ist ein Bilderbuch, das keine Kinder als Ausrede braucht, um gelesen zu werden, sondern auch Eltern und Astrophysikern sehr zu empfehlen ist.

Tom Kelly ist mit seinem Debüt ein Jugendroman vom Feinsten gelungen. Salopp und gekonnt geschrieben, fühlt sich der englische Autor in die Welt des zehnjährigen Danny ein. Zwar erfährt man anfangs nicht, was das für eine "Sache mit Finn" ist, aber etwas Weltbewegendes muss es sein. Scharfsinnig und aufrichtig berichtet Danny aus seinem Leben, von seiner Familie und seinen Freunden. Locker reiht er kuriose Begebenheiten und tiefe Einblicke in die menschliche Seele so unbekümmert aneinander, wie es nur Kinder und weise Zen-Meister vermögen. Ein Lesevergnügen, das man auch nach der letzten Seite nicht aus der Hand legen möchte.

Gut, besser, Boie. Jugendbücher über Zeitreisen gibt es viele, ebenso historische Romane. Kombiniert man beides und versieht es mit profunder historischer Information, einem spannenden Plot und großer Stilsicherheit, so kann das Resultat nur "Alhambra" von Kirsten Boie sein. Da findet der deutsche Schüler Boston während seiner Sprachferien in der spanischen Stadt Granada zufällig ein Tor in der Zeit und wird ins Schicksalsjahr 1492 verschlagen.

In diesem Jahr entdeckt Kolumbus Amerika, das spanische Königspaar Ferdinand und Isabella residiert auf der berühmten Stadtburg Alhambra und die Inquisition verfolgt Muslime und Juden. Wie Boston sich in dieser fremden Welt zurechtfindet, Freundschaften schließt, sich Gefahren stellt und endlich den Weg zurück in die Gegenwart findet und das Tor in der Zeit schließen kann, ist eine abenteuerliche Reise für jugendliche Leser.

Sonja Herzog-Gutsch in FALTER 41/2007



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