Hexen und Magie


Kein Krieg gegen Frauen.

Die Hexenverfolgungen faszinieren Historiker und Öffentlichkeit. Die Qualität dreier Neuerscheinungen variiert enorm.

Aus dem männlichen "maleficos" in Vers 19 aus dem zweiten Buch Mose ("maleficos non patieris vivere", "die Zauberer sollst du nicht leben lassen") las der Dominikanerprior Heinrich Kramer (lat. Institor) nur zu gerne das weibliche "maleficas" heraus, fantasierte, durch ältere Schriften und erpresste Geständnisse beeinflusst, eine Hexensekte als Bedrohung der christlichen Ordnung herbei und verfasste 1486/87 den "Malleus maleficarum" ("Hexenhammer"), einen wirren Traktat, der bis heute als Auslöser der neuzeitlichen Hexenverfolgungen gesehen wird.

Nicht nur jenes Buch, sondern diese gesamte Zeit der Hexenprozesse, die in Österreich und Bayern immerhin bis etwa 1770 andauerte, untersucht die schmale, aber großteils gut dokumentierte Einführung von Johannes Dillinger, Professor für Neuere Geschichte in Trier. Er fasst darin die Entwicklung der Disziplin, jene der Verfolgungen selbst sowie die neuesten Forschungsergebnisse und-desiderate zusammen. Mit großer Skepsis behandelt der Band etwa noch bis vor kurzem gängige Thesen, so auch die von der Hexenverfolgung als Krieg gegen Frauen.

Ebenso überrascht der Trend, die Kirche(n) immer mehr von der Verantwortung für die Hexenverfolgung loszusprechen. Während richtig ist, dass spätestens mit dem Ende des 16. Jahrhunderts die Heilige Inquisition nicht mehr mit Hexenprozessen beschäftigt war (als Beispiel werden da gerne die romanischen Länder herangezogen), sprach sich allerdings niemals ein Bischof oder ein Führer einer anderen Konfessionen deutlich gegen Hexen- und Dämonenglauben aus.

Dieter Breuers erzählt in seinem Buch mit dem kecken Versprechen einer "etwas andere[n] Geschichte der Hexen und ihrer Verfolgung" im Untertitel dann doch sehr konventionell von zum Feuertod verurteilten Kräuterweiblein und aufrechten Zweiflern wie dem Jesuiten Friedrich Spee. Für ein Werk, das ganz ohne Fußnoten oder Bibliografie auszukommen vermeint und sogar die altnordischen Sagen bemüht, behandelt Breuers sein Thema dennoch meist auf der Höhe der Forschung.

Von Clemens Hutters Hexenbuch sollte man dagegen in jedem Fall die Finger lassen. Wer in mehr oder minder gerechtem antiklerikalen Zorn dem Dominikaner Jakob Sprenger, von dessen Ordensbruder Kramer in böser Absicht und ungefragt zum Mitautor des "Hexenhammers" gemacht, immer noch Mittäterschaft daran anhängen will, hat die Forschung der letzten dreißig Jahre nicht rezipiert und disqualifiziert sich damit selbst.

Martin Lhotzky in FALTER 41/2007



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