Todsichere Geschäfte. Wie Bestatter, Behörden und Versicherungen Hinterbliebene...

Harald H.


Nur keine falsche Pietät!

Auch der Tod ist nicht umsonst, okay, aber dass wir in Händen mafiöser Bestatter enden werden, erschreckt einigermaßen.

Der Betriebswirt und ehemalige Bestattungsgehilfe Peter Waldbauer will in "Die Bestattungs-Mafia" zeigen, "wie mit dem Tod Geschäfte gemacht werden" und warnt vor sämtlichen einschlägigen Dienstleistern. Harald H. hat für "Todsichere Geschäfte" ein Jahr undercover recherchiert, arbeitete bei Beerdigungsunternehmen und ließ mehrfach seine Mutter sterben. Zwei Bücher über ein Geschäft, das angeblich keine Pietät, sondern nur den Profit kennt.

Ob der alteingesessene Bestatter, der Tischler, der Särge erzeugt und Bestattungsservice anbietet, oder der Spediteur, der Leichen nicht nur überführt - sie alle sind meist unseriös, inkompetent und jedenfalls überbezahlt. Auch dem neuen "Funeral Master" ist nicht zu trauen. Er versucht krampfhaft, sich von den anderen Bestattern abzuheben, um einem dann eine teure "Peace Box" (= Sarg) aufzuschwatzen.

Beide Autoren werfen Bestattern alles Mögliche vor: gezielte Desinformation, schlechtes Auftreten, Heuchelei und Überrumpelungstaktik. Weil sie wissen, dass ihre Kunden nicht Nerv und Zeit haben, zu handeln oder Angebote zu vergleichen, verlangen sie "Pietätspreise". Skrupellos wird der verrechnete Eichensarg dann gegen ein Billigsdorfer-Modell ausgetauscht, und so manches Leichenhemd kommt mehrfach zum Einsatz. Außer solchen kleinen Betrügereien werfen Waldbauer und H. Bestattern Unglaubliches vor: Sie entsorgten privaten Müll in die Särge und nähmen dafür den Schmuck der Toten an sich, brächen ihnen "kurz vor dem Einsargen" die Goldzähne aus ...

Neben den Bestattern bereichern sich auch die anderen Beteiligten: Ärzte, Floristen, Sargträger, Trauerredner, Totengräber und Behörden. Die Autoren greifen jedes Gerücht auf - bis dahin, dass Bestatter Leichenhallen für außereheliche Abenteuer nutzten - und vergeben damit das interessante Thema, dass der Tod tabuisiert ist und ein Komplex von Branchen dies zu Geld macht.

Harald H.s Geschichten sind dabei zumindest irgendwie informativ und dort und da mit Quellen belegt. Er bezieht sich auf die deutsche Tagespresse, auf Fernsehberichte und Konsumentenmagazine und analysiert außerdem diverse Bestatter-Webauftritte. Bei Waldbauer überwiegen die frei flottierenden Gruselgeschichten.

Brauchbar sind jeweils die Serviceteile mit Ratschlägen für Angehörige, die sich allerdings nur auf Deutschland beziehen. In "Die Bestattungsmafia" gibt es ein Kapitel zu Österreich, das aber nicht den "mafiösen Strukturen" der Branche, sondern dem angeblich besonderen Verhältnis der Wiener zum Tod gewidmet ist.

Nikola Langreiter in FALTER 41/2007



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