Mein Österreich. 50 Jahre hinter den...

Paul Lendvai


Mein Lendvai

Mein Österreich" heißt das neue Buch von Paul Lendvai. Wie Paul Lendvai sein Österreich hat, so habe ich meinen Lendvai. Mein Lendvai und ich haben zwar keine fünfzigjährige gemeinsame Geschichte, aber immerhin eine mehr als zehnjährige. Einmal lud er mich zu einem Interview in den von ihm geleiteten Sender Radio Österreich International ein – "selbstverständlich auf Englisch, aber das ist ja kein Problem für Sie" –, er fragte nicht, er setzte es voraus. Es war nicht der erste unserer sporadischen Kontakte, und von Anfang an hatte mich seine Art verblüfft. Er nahm einen kleinen Kollegen nicht nur wahr, sondern ernst. Zu einer Zeit, da andere Journalisten diesen Kollegen höchstens als lästigen Kläffer bemerkten (da hatte ich schon knapp zwanzig Jahre Falter hinter mir und ein paar Bücher publiziert). Schon damals rief Lendvai manchmal spontan an, um ein Lob anzubringen, in das er mitunter diskrete, sehr höfliche Kritik mischt.
Auch von seinem neuesten Buch erhielt ich auf diese Weise Kenntnis, denn er recherchierte und wollte von mir die Quelle eines Zitates wissen, das ich ohne nähere Angabe verwendet hatte. Zu meinen erfreulicheren Medienerlebnissen gehörte es, als er mich in sein "Europastudio" einlud. In diesen ORF-Gesprächen, die allzu selten statt der "Pressestunde" stattfinden, kann man das genaue Gegenteil jenes toten Formats beobachten. Während in der "Pressestunde" zwei Journalisten sich einem Politiker gegenüber abwechselnd als Haxlbeißer und Hölzlwerfer betätigen, also zwei durchaus hündischen Tätigkeiten nachgehen, von denen die eine herrisch bloß erscheint, finden bei Lendvai tatsächlich Gespräche statt.
Meine Erfahrung beschrieb ich im September 2005 in einem Text für ein Medienmagazin: "Wie angenehm, wie zivilisiert es dort zuging! Ein runder Tisch, auf den man seine Hände plus seine Unterlagen legen kann, und ein Sessel, auf dem es sich bequem sitzen lässt, schaffen die physischen Voraussetzungen, frei sprechen zu können. Die eingeladenen Gäste haben Sachverstand, aber kein besonderes Interesse, eine Egoshow abzuziehen, sind sie doch meist aus dem Ausland. Der Moderator kennt sich aus, ist wohlvor

Armin Thurnher in FALTER 40/2007



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