Pure Anarchie

Woody Allen


Woody Allen ist einer der größten Autoren der Filmgeschichte. Als Prosaautor kann er dem Drehbuchschreiber allerdings nicht das Wasser reichen. 26 Jahre nach "Nebenwirkungen" liegt nun wieder ein Band mit satirischen Kurzgeschichten vor; die meisten der 18 Storys witzeln halblustig vor sich hin, um schließlich in schwache Pointen zu münden. Erst im letzten Drittel – ein dramaturgischer Lapsus, der dem Filmemacher Allen nie passiert wäre – wird das Buch wirklich komisch.
Die Höhepunkte daraus: Ein erfolgloser Broadway-Produzent plant unter dem Titel "Fun de Siècle" ein haarsträubendes Alma-Mahler-Werfel-Musical (mit Zwölftonmusik!); ein skrupelloses Verbrecherpärchen, das sich aufs gewaltsame Entfernen von Matratzenetiketten spezialisiert hat, hält einen Bundesstaat in Atem; im Prozess gegen einen Disney-Manager tritt Micky Maus in den Zeugenstand ("Ich habe aufgehört, mich mit Daffy Duck zu treffen, als er Scientologe wurde"); ein mysteriöser Mordfall, an dessen Aufklärung ein österreichischer Hellseher namens Sgmnd beteiligt ist – der arme Mann hatte bei einem Bootsunglück sämtliche Vokale seines Namens verloren.
Es gibt also doch ein paar Gründe, dieses Buch zu lesen. Aber wenn, dann sollte man auf jeden Fall von hinten anfangen. Dann stößt man auch bald auf den besten Witz des Buchs: "Ich bin wirklich erleichtert, dass sich das Universum endlich erklären lässt. Ich dachte schon, das Problem läge bei mir."

Wolfgang Kralicek in FALTER 40/2007



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