Der Tod wird euch finden. Al-Quaida und der Weg zum 11. September

Lawrence Wright, Stefan Gebauer, Hans Freundl


Der Weg zu 9/11

Lawrence Wright weiß, wovon er schreibt. Er hat nämlich selbst einen islamistischen Terroranschlag auf New York inszeniert – für Hollywood. 1998 hetzten Bruce Willis und Denzel Washington zum Drehbuch von Wright im Film "Ausnahmezustand" über die Leinwand.
Im August 2006 veröffentlichte der Journalist des Wochenmagazins New Yorker "The Looming Tower: Al Qaeda and the Road to 9/11". Nun erscheint das Buch übersetzt unter dem Titel "Der Tod wird euch finden. Al-Qaida und der Weg zum 11. September". Dazwischen wurde es mit dem Pulitzer-Preis für Nonfiction ausgezeichnet und zum Standardwerk über die Vorgeschichte von 9/11 erkoren.
Die ist profan wie das Leben selbst. Wright fokussiert auf jene drei Männer, die diese Geschichte geprägt haben: der ägyptische Schriftsteller Sajid Qutb, der ägyptische Arzt Ajman Sawahiri und der saudische Unternehmer Osama bin Laden. Deren Werdegang ist nicht unbekannt. Wrights Verdienst liegt darin, ein menschliches Bild dieser "Schurken" zu zeichnen – im Passepartout ihrer Religion und ihrer jeweiligen Sozialisation.
Abgerundet wird die Geschichte durch die parallele Darstellung deren Gegenspieler bei FBI und CIA, die sich in den Jahren vor 9/11 aufgrund von Ignoranz und breitbeiniger Hybris gegenseitig blockierten.
Wright zieht einen roten Faden durch die vergangenen sechzig Jahre in Ägypten, Saudi-Arabien, Afghanistan und im Sudan, der am 11. September 2001 plötzlich als Zündschnur endet. Die Verflechtung aus Geopolitik, Religion, Glaubenskriegen und Geheimdiensten ist nach der Lektüre nicht weniger kompliziert, aber etwas verständlicher.
Das Buch ist über weite Strecken nicht journalistisch, eher schon belletristisch und stets detailgetreu geschrieben. Sein "amerikanischer Zugang" bringt einen weiteren Vorteil mit sich: einen achtzig Seiten dicken Anhang inklusive Anmerkungen, Bibliografie, eine knappe Skizzierung der handelnden Personen und ein Verzeichnis seiner rund 600 Interviewpartner. Das 543-seitige Werk ist eine gelungene Mischung aus Krimi und zeitgeschichtlichem Dokument.

Stefan Apfl in FALTER 37/2007



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