Ökonomie der Zerstörung

Adam Tooze


Schon 2005 machte der in Cambridge lehrende Wirtschaftshistoriker Adam Tooze auf sich aufmerksam. Im deutschen Feuilleton wandte er sich vehement gegen die Behauptung des Historikers Götz Aly, die Naziführung hätte sich die Loyalität der Bevölkerung in erster Linie durch eine Umverteilung der Beute aus ihrer Vernichtungspolitik erkauft. Der These von einem "Gefälligkeitsregime" setzte er jene von einer "Mobilisierungsdiktatur" entgegen, deren Rüstungsanstrengungen auf Kosten des privaten Konsums und ziviler Investitionen erfolgten. Ausführliche Analysen liefert Tooze nun in seiner "Ökonomie der Zerstörung", die den Anspruch erhebt, die Geschichte der NS-Wirtschaft umfassend darzustellen und neu zu bewerten.
"Die deutsche Position in der imperialistischen Konkurrenz war nach dem Maß des verfügbaren Rohmaterials wie des industriellen Potenzials verzweifelt im Frieden und Krieg", notierte Adorno 1945. Ohne direkt auf sie Bezug zu nehmen, wird diese Einschätzung bei Tooze zum umfangreich belegten Faktum, um das sich die Strategien der NS-Führung drehen. Erkennen und Verkennen, mörderische Ideologie und wirtschaftlicher Pragmatismus sind dabei auf vielfältige Weise miteinander verwoben. Abgesehen von einigen wenigen stilistischen Ungereimtheiten ist diese Geschichte einer tödlichen Ökonomie überzeugend und mitreißend geschrieben.

Fritz Betz in FALTER 36/2007



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