Planet der Slums

Mike Davis


Premiere für die Menschheit: Erstmals leben mehr Menschen in der Stadt als auf dem Land. Jeder sechste Erdenbürger lebt bereits in Slums, und jedes Jahr werden es 25 Millionen mehr. Diese meist jungen Menschen haben so gut wie keine Aussicht auf ein besseres Leben, auf sauberes Wasser, auf ein Dach über dem Kopf, auf Bildung und Gesundheitsfürsorge. Ausgehend von der Uno-Studie "The Challenge of Slums" hat Mike Davis Daten und Vorhersagen über städtische Elendsviertel zusammengetragen. Er springt jedoch rastlos von Ort zu Ort, von Studie zu Studie, was die Lektüre etwas erschwert.
Wer der Globalisierung die Schuld am Wachsen der Slums gibt, greift zu kurz, sagt der US-amerikanische Stadtsoziologe und Historiker. Ja, die Folgen des Kolonialismus, insbesondere die Schuldenfalle, in die der Westen die armen Länder mit Strukturanpassungsprogrammen getrieben hat, sind dafür mitverantwortlich. Aber Mike Davis kritisiert auch die NGOs. Sie seien weniger Lösung als Teil des Problems, denn sie betrieben klassischen Klientelismus und forcierten die Bürokratisierung.
Im Gegensatz zu vielen linken Sozialkritikern spricht sich Mike Davis für einen starken Staat aus, der seine Verantwortung erfüllt, und fordert die Umverteilung gesellschaftlichen Reichtums. Denn: In den Elendsvierteln wächst eine soziale Zeitbombe. Das Schlachtfeld der Zukunft liegt dort, in den Slums der neuen Megacitys.

Christian Lackner in FALTER 35/2007



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