Geschichte des organisierten Verbrechens

David Southwell


Sie ist die umsatzstärkste Branche der Welt. Und sie zerstört jedes Jahr Millionen von Leben. David Southwell widmet sich jenen verbrecherischen Organisationen, die unter Missachtung des staatlichen Gewaltmonopols geschäftsmäßig Straftaten verüben, um Kapital anzuhäufen – die meisten sind neben Körperverletzung und Mord Variationen der Grunddelikte Diebstahl, Schwarzhandel, Ausbeutung und Erpressung.
Das Buch beschäftigt sich zunächst mit der Mafia (die eigentlich nur auf Sizilien so heißt). Weitere Kapitel sind der Cosa Nostra in den USA, den japanischen Yakuza, chinesischen Triaden und der russischen Organisazija gewidmet. Auch die gegenwärtigen Bandenszenen in den USA und Europa werden beleuchtet, ihre "key crimes", Geschichte, Strukturen und Rituale. Das Verdienst des Autors liegt eher in der Zusammenschau als in der Tiefe, als Einstieg in die Materie ist das klar strukturierte Werk uneingeschränkt zu empfehlen.
Gelungen ist auch das Einbeziehen der Rezeptionsgeschichte von Mafia und Cosa Nostra, die Verflechtungen mit Hollywood bis heute, die Mythenbildung um die coolen Bosse im Maßanzug, die ob ihrer strengen Ehrenkodizes und Loyalität in Bezug auf die "famiglia" auch immer wieder Gegenstand positiver Identifikation waren. Der gute Mafioso? Southwell lässt hier keine Zweifel aufkommen: Was das organisierte Verbrechen weltweit angerichtet hat und anrichtet, ist unsäglich.

Tina Thiel in FALTER 34/2007



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