Wenn die Flüsse versiegen

Fred Pearce


Blaue Revolution

Alle Flüsse fließen ins Meer – stimmt längst nicht mehr. Legendäre Ströme wie der gar nicht mehr so große Rio Grande, der Jordan oder der Gelbe Fluss erreichen das Meer kaum noch, sondern finden Hunderte Kilometer davor als Rinnsale ein trauriges Ende. Der britische Wissenschaftsjournalist Fred Pearce macht in seinem Buch "Wenn die Flüsse versiegen" deutlich, wie Damm- und Kanalbauten sowie massive Veränderungen in der Landwirtschaft die Versorgung mit Wasser in immer mehr Regionen unseres gar nicht mehr so blauen Planeten gefährden.
Pearce zeigt, wie der ökologische Tod von Feuchtgebieten zum Verlust der Lebens- und Ernährungsgrundlagen von Millionen Menschen führt. Vielerorts werden aus Wassermangel bereits die jahrtausendealten Grundwasserreserven angezapft, die sich nicht wieder regenerieren werden. Ein wesentlicher Faktor: Die seit der "grünen Revolution" weltweit dominanten Sorten von Weizen, Reis und Mais werfen zwar eine gute Ernte pro Hektar Land ab, sind aber äußerst ineffizient im Ertrag pro Liter Wasser.
Für die zunehmende Wasserknappheit allein den Klimawandel und die dadurch bedingte erhöhte Verdunstung verantwortlich zu machen, lässt Pearce daher nicht durchgehen. Fehlentwicklungen, die auf die Fixierung auf einseitige Technologien, die verfehlte globale Landwirtschaftspolitik und ein oft extrem verschwenderisches Konsumieren von Wasser zurückzuführen seien, würden durch den Klimawandel "nur" verschärft.
Pearce fordert dringend eine "blaue Revolution", glaubt aber angesichts der Planung immer neuer, noch größerer Staudämme (trotz der verheerenden Bilanzen der Weltbank) und dem unsinnigen Trend zum Wassertransport über große Strecken offensichtlich nicht daran, dass Politiker zu einem Umdenken bereit sind.
Anstatt zu resignieren, veranschaulicht er anhand von Initiativen in Indien, Ostasien und Afrika, wie ein nachhaltiger Umgang mit Wasser möglich ist: zum Beispiel durch alte und neue Techniken des Regensammelns, unspektakulär, aber bewährt. Das Problem des Wassermangels ist nicht unbekannt, aber die umfassende Perspektive Pearces und seine differenzierte Ursachenanalyse bringen einen ins Schwitzen.

Karin Chladek in FALTER 33/2007



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