Darf man per E-Mail kondolieren?. Der Knigge des 21. Jahrhunderts

Helmut A. Gansterer


Stimmt schon, im Dschungel der Großstadt wünscht man sich manchmal, die Leute würden sich ein bißchen mehr für Manieren interessieren. Aber ob man sich ausgerechnet von Helmut A. Gansterer auf den neuesten Stand bringen lassen will? Das ist ein Mann, der gerade erst erfahren hat, dass es üblich ist, "sich beim Einkauf von Lebensmitteln anzustellen (was für mich interessant und neu war, da ich nie einkaufe)".
Dem zur Frage "Darf man unter Tierschützern Gänseleber essen?" einfällt, man dürfe Tierschützer nie an Orte bestellen, wo "geschmackssichere Gourmets einer gebratenen Gänseleber entgegenfiebern", und der als geschmackssicherer Gourmet glaubt, es heiße die Jus. (Jawohl: "Unwissen ist immer unhöflich.") Der allen Ernstes überlegt, ob man "in seinem neuen Carport einen schäbigen alten Toyota parken" darf, anstatt zu fragen, ob man für seinen Schuppen das Wort "Carport" verwenden darf, und der allen Ernstes dekretiert, natürlich, er selber habe seine drei Porsche-911-Cabrios und den Bugatti und den Aston Martin bescheiden in die "blickdichte Garage gestellt, die eine Halle ist".
Subtile Selbstironie? Wir wollen es hoffen, trauen dem Mann aber schon alles zu. Dass er – mit Handkuss! – ein Macho sein will und wirklich per E-Mail kondoliert (egal, in welcher Form die Parte ins Haus kommt), meinetwegen. Aber diese plumpe Angeberei ... Lieber den alten Knigge oder den neuesten Elmayer kaufen!

Daniela Strigl in FALTER 33/2007



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