Weiße Plantagen. Eine Reise durch unsere globalisierte Welt

Érik Orsenna


Globalisierung ist ein alter Hut. Érik Orsenna zeigt dies am Beispiel der Baumwolle, seit Jahrhunderten ein Kristallisationspunkt des Welthandels. Fast ebenso alt ist der Konflikt um erträgliche Arbeitsbedingungen: Sweatshops mit Hungerlöhnen waren schon die Textilfabriken im frühen 19. Jahrhundert. Die Sklavenplantagen in den Südstaaten legten den Grundstein für die Dominanz der USA im Baumwollsektor, die noch heute mit Zähnen, Klauen und Subventionen verteidigt wird. Die indische Unabhängigkeitsbewegung kam mit dem Kampf für eine eigenständige Textilverarbeitung erst in Schwung.

Heute geht es bei den Auseinandersetzungen um Subventionen und Billig-Textilimporte aus China um die Existenz von Bauern, Textilarbeitern und ganzen Volkswirtschaften. In seiner Reportage über Anbau und Verarbeitung der Baumwolle zeigt Orsenna, Mitglied der Académie Française und Berater Ségolène Royals, globale Vernetzungen auf.

Dabei verliert er nie den Faden. Er spricht mit US-Lobbyisten, Bauern in Mali, Genforschern in Brasilien, Fabrikarbeitern in China und Textilunternehmern in Frankreich. In dieser Multiperspektivität liegt die Stärke des Buches. Ja, die Globalisierung kriegen alle zu spüren, aber Mali ist nicht gleich Burkina Faso. Ja, die von den Weltbankern als allein selig machende propagierte Privatisierung hält selten was sie verspricht. Aber die vermeintlich gute alte Zeit war für die meisten Baumwollpflücker alles andere als das.

Karin Chladek in FALTER 32/2007



ANZEIGE


FALTER abonnieren
×