Sagenhafter Wienerwald

Johannes Sachslehner


Ja, es werden auch Geschichten von blutrünstigen Raubrittern, plündernden Janitscharen und Teufelspakten erzählt, aber auch weniger spektakuläres Personal tritt auf: Nonkonformisten im Mittelalter, unfähige Landesherren, Wilderer, die am Galgen enden, deutschtümelnde Wotans-anhänger, Schutzbündler auf der Flucht vor Schuschniggs Schergen oder schlichte Städter auf der Suche nach unverfälschter Natur. Im Wienerwald war immer etwas los.
Auf eine leicht planlos anmutende Reise durch das liebste Naherholungsgebiet der Wiener begeben sich der Fotograf Robert Bouchal und der Philologe Johannes Sachslehner. Weder in historisch noch geografisch strenger Reihung spüren sie Mythen nach und enttarnen vermeintlich uralte Sagen als Konstrukte deutschnationaler Heimatdichter. Tempelritter zum Beispiel brachten erst Lanz von Liebenfels und Guido von List in die Gegend, und ein Triestingtaler Bürger avancierte eher durch persönliche Ungeschicklichkeit zum verehrten Helden im Kampf gegen Napoleons Besatzungstruppen.
Dabei handelt es sich aber keineswegs um ein Antiheimatbuch – dafür sind schon die leider oft ungünstig abgedruckten Panoramafotografien zu mystisch-romantisch. Aber in seiner ein bißchen räudigen, unstrukturierten Art kommt der Hochglanzband ziemlich sympathisch daher. Man blättert, man liest, und man bekommt Lust auf einen Ausflug in den Wienerwald. Mehr kann man von leichter Sommerlektüre eh nicht erwarten.

Martin Lhotzky in FALTER 31/2007



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