Robert Musil. Literatur und Politik

Klaus Amann


"Jeder Dichtererfolg ist ein Zeichen, woraus man auf die Konstitution der Zeit schließen kann." Das sagte Robert Musil, der nicht ganz erfolglos, aber immer in Geldnöten war, in den Dreißigerjahren: einer Zeit von sehr schlechter Konstitution. Klaus Amann, Leiter des Klagenfurter Musil-Instituts und Spezialist für das literarische Leben dieser Zeit, hat nun eine Art politische Biografie Musils geschrieben und diese um Essays, Reden und bisher unveröffentlichte Notizen und Entwürfe aus dem Nachlass ergänzt: ein kompaktes Taschenbuch, nicht unbedingt eine Lektüre fürs Strandbad, aber ein schönes Lehrstück in Sachen Künstlerverantwortung und Zivilcourage.
Hitlers Machtergreifung im Jänner 1933 erlebte Musil in Berlin, im Mai übersiedelte er mit seiner (jüdischen) Frau zurück nach Wien, wo Dollfuß regierte, er kam also "von der Traufe in den Regen" (Amann). Es herrschte "eine Art provinzlerisch-konservativer, im Kleinen energischer Geist. Hoffentlich irre ich mich." Musil hat sich nicht geirrt, wohl aber hat er, nach eigenem Urteil, Hitler lange unterschätzt. Amann zeichnet nach, wie der bewusst "unpolitische" Autor um eine öffentliche Haltung zum "Umsturz" im Reich ringt: Der Verleger Rowohlt drängt auf Stillhalten – 1932 ist der zweite Band des "Der Mann ohne Eigenschaften" erschienen. Musil findet klare Worte, lässt sie aber nicht drucken und sagt selbst, der "Sitz des Mutes" sei weder im Zwerchfell noch im Herzen, sondern "zum großen Teil in der Brieftasche".

Daniela Strigl in FALTER 31/2007



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