Abschiedsgeschenk

Vladimir Tasik, Patrik Alac


Exjugoslawien wurde durch zwei integrative Faktoren zusammengehalten: durch Präsident Tito und Vegeta, die balkanische Speisewürze im blauen Sackerl der Firma Podravka. Zu dieser These verleitet die postjugoslawische Literatur, egal, aus welchem Nachfolgestaat sie auch kommen mag. Podravka als Synonym für nostalgische Heimatgefühle von Emigranten oder Bürgerkriegsflüchtlingen und Titos Tod als tief erinnerte Prägung finden sich auch im Vladimir TasicŽ' nun auf Deutsch erschienenen Erstlingsroman "Abschiedsgeschenk" des Serben Vladmir TasicŽ, der – wie sein Protagonist – nach Kanada ausgewandert ist.
Der Ich-Erzähler erhält ein Paket mit grauem Pulver, das er für Material seiner töpfernden Frau hält. Erst ein amtlicher Brief eröffnet ihm, dass es sich um die Asche seines ebenso hochbegabten wie exzentrischen Bruders handelt. Es folgt eine Serenade von Erinnerungen an das gemeinsame Leben in der Vojvodina-Provinzstadt Novi Sad. Der Untertitel "Roman in drei Sätzen" wird durch die als Satzbezeichnungen gehaltenen Kapitelüberschriften – Allegro, Largo cantabile, Allegro non molto – erklärt, die jenen Stimmungen entsprechen, in denen über den Tod des Bruders und die Kindheitslebenswelten reflektiert wird – eine mit mythologischen und philosophischen Einsprengseln gewürzte Komposition, der es freilich mitunter an Kohärenz gebricht.

Edgar Schütz in FALTER 28/2007



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