Berauscht. Ein Roman über Geld, Wahnsinn und die Erfindung des...

John Barlow, Gottfried Röckelein


Niemand außer den Eingeweihten in Atlanta weiß, woraus Coca-Cola wirklich gemacht wird. Zu den Zutaten gehören Sodawasser, ursprünglich mal ein Extrakt aus Kokablättern, sicher Farbstoff und ganz viel Zucker. Rhabarber eher nicht. Letzteres ist der Grundstoff von Rhabarilla, der Erfindung eines gutgläubigen Tuchfabrikanten, seines etwas zurückgebliebenen Sohnes und eines buckligen Tunichtguts unklarer Herkunft, mit dem diese drei 1869 von Leeds aus die Welt erobern wollen. Ihr Softdrink steht nach vielen Startschwierigkeiten wohl vor einer ähnlichen Erfolgsgeschichte wie Coca-Cola Ende des 19. Jahrhunderts oder knapp hundert Jahre später Red Bull, wenn am Ende des über 500 starken Wälzers der erwähnte Tunichtgut auf ein Schiff steigt, das ihn ausgerechnet nach Atlanta, Georgia bringt.
Der Brite John Barlow erweist sich als gewiefter und intelligenter Erzähler, dem ein ausgesprochen unterhaltsames Buch über die Erfindung des erfolgreichsten Softgetränks aller Zeiten gelungen ist. Zugleich ist es aber auch ein Familienroman mit tragischen Elementen, der mit seiner bisweilen überschäumenden Erzählfreude an Charles Dickens erinnert, in dessen viktorianischem England "Berauscht" ja auch spielt. Es kommt zu dramatischen Wendungen, herzergreifenden Krisen, und die Tränen fließen reichlich. Wem ein bisschen Melodramatik nichts ausmacht, wird mit diesem ungewöhnlichen Debüt gut bedient.

Thomas Askan Vierich in FALTER 28/2007



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