Du liebst mich, du liebst mich nicht

Jonathan Lethem, Michael Zöllner


Mit Romanen wie "Motherless Brooklyn" oder "Die Festung der Einsamkeit" hat sich Jonathan Lethem in den letzten Jahren eine stetig wachsende Fangemeinde erschrieben. Es ist seinen Büchern anzumerken, dass sie von einem weißen US-Amerikaner verfasst wurden; im Vergleich zu Großschriftstellern wie Jonathan Franzen und Richard Powers hat er jedoch mehr Pfiff, was an seiner Sozialisation mit Comicheftchen und Rockmusik liegen könnte und daran, dass sein Herz immer noch für die Popkultur schlägt.
"Du liebst mich, du liebst mich nicht" ist für Lethem-Verhältnisse ein "kleiner" Roman. Das hat einige Kritiker dazu bewogen, ihn als Petitesse abzutun. Zu Unrecht. Die Geschichte von vier Musikern aus L.A., die seit Jahren auf den Durchbruch warten und sich nur mehr wenig Hoffnung darauf machen dürfen, ihre 15 Minuten Ruhm aber nur umso verzweifelter anpeilen, mag das Können des Autors nicht in allen Facetten widerspiegeln. Sie sei jedem Menschen mit ein wenig Sinn für absurden Humor dennoch ans Herz gelegt – soweit dieses nicht schon versteinert ist.
Die Neurosen und amourösen Verstrickungen innerhalb der Band gestalten sich so herrlich kompliziert wie in Woody Allens Klassikern, Komik und Tragik sind sich ganz nah. Nebenbei wird ein Känguru von seiner Apathie befreit und Nörgeln als Kunstform etabliert – welches Buch kann das schon von sich behaupten?

Sebastian Fasthuber in FALTER 27/2007



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