Ausfahrt Zagreb-Süd

Edo Popovic, Alida Bremer


Die Wende im Osten lässt sich auch so beschreiben: "Es stellte sich heraus, dass diese legendäre Demokratie, von der man so viel erzählt hatte, im Grunde nichts anderes ist als ein Arschtritt für das einheimische Bier." Angesichts der vielen Gösser-, Amstel- oder Heineken-Schirme in Zagreb ist die Verzweiflung von Baba, einem meist angesäuselten Journalisten in der Midlife-Crisis, fast zu verstehen. Im Falle Exjugoslawiens haben aber Baba und Menschen seiner Generation – etwa Gattin Vera, der Buchhändler Robi oder der ehemalige Rechtsanwalt und Gelegenheitsarbeiter Kanceli – neben der Kälte des Kapitalismus auch einen Bürgerkrieg zu verkraften.
Ist also der Krieg schuld daran, dass sich diese Lost Generation aus einer Plattenbauvorstadt Zagrebs in der eigenen Misere suhlt? Immerhin hat er ihnen ihre vermeintlich besten Jahre genommen. Oder ist es doch mehr ein Problem des Nicht-älterwerden-Wollens? Schließlich trauern sie vor allem der unbekümmerten Jugend mit Partys, Rockmusik, Alkohol, leichten Drogen und Sex nach. Damit schlägt Edo Popoviç, der Chef-Undergroundler der kroatischen Literaturszene, wie ihn die taz nannte, doch einen politischen Ton an. All dies – samt Stippvisiten nach London – war der Jugend im verdämmernden Tito-Reich nämlich möglich gewesen. Von damals stammt auch die Band Bijelo Dugme. Ihr Leader: Goran Bregoviç, eine Art musikalisches Pendant zum Literatur-Undergroundler Popoviç.

Edgar Schütz in FALTER 27/2007



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