Inside HipHop. Bekenntnisse eines Video-Girls

Karrine Steffans


Am Höhepunkt ihrer Karriere spielte Karrine Steffans in den Videos der HipHop-Superstars, tanzte mit einem Bein auf einer verheißungsvollen Party namens "Hollywood" und verdiente mehrere Tausend Dollar pro Woche. Am Tiefpunkt lebte sie mit ihrem kleinen Sohn monatelang ohne Einkommen und festen Wohnsitz aus dem Kofferraum ihres Autos, und irgendwo zwischen diesen beiden gar nicht so weit voneinander entfernten Punkten lag sie mit einer Überdosis Drogen am Boden der Damentoilette eines Szeneclubs. Am Ende freilich, da ward alles gut; wir befinden uns schließlich in den USA. Die heute 29-jährige Steffans hat den lieben Gott entdeckt, der einen guten Menschen und eine erfolgreiche Geschäftsfrau aus ihr machte. Der Sündenpfuhl aber, den sie hinter sich ließ, wurde – sei es aus therapeutischen Gründen, sei es aus finanziellem Kalkül – rekonstruiert; mal peinlich minutiös, dann wieder sprunghaft und ungenau.
Die Enthüllungsbuch gewordene Lebensbeichte dieses modernen Groupies hinterlässt einen ambivalenten Eindruck. Dass Steffans bereits als Kind und Jugendliche durch die Gewalthölle ging, macht zwar betroffen; ihre unbeholfen schmuddeligen Beschreibungen ausschweifender Sex- und Drogenexzesse bestätigen letztlich aber doch nur, was man ohnedies immer schon ahnte: dass die grell sexistische Welt des US-HipHop außerhalb einschlägiger Songtexte und Videos auch in echt existieren könnte.

Gerhard Stöger in FALTER 26/2007



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