Kriegsverbrechen, NS-Gewaltverbrechen und die...

Heimo Halbrainer, Claudia Kuretsidis-Haider, Wolfgang Form,...


Die im Dunkeln

Verfolgten Frauen in der Nazizeit und der Ahndung von NS-Verbrechen widmen sich zwei neue Publikationen.

Sechzig Jahre nach dem Ende des Dritten Reichs ist die Aufarbeitung dieses dunklen Kapitels alles andere als abgeschlossen. Zwei Neuerscheinungen des Grazer Vereins Clio liefern diesbezügliche Beiträge, die sich einerseits mit NS-Verbrechen, andererseits mit ihrer juristischen Behandlung nach 1945 beschäftigen.

Der Sammelband "Die im Dunkeln sieht man doch" basiert auf der gleichnamigen Veranstaltungsreihe im Grazer Stadtmuseum, die durch das offizielle "Gedenkjahr 2005" provoziert worden war. Während Sozialministerin Ursula Haubner (BZÖ) "Trümmerfrauen" in den Vordergrund rückte, schlugen NS-Opferverbände die Beschäftigung mit dem politischen Widerstand und der Verfolgung von Frauen in der Steiermark während der NS-Zeit vor. Die daraus resultierende Publikation beinhaltet Berichte von Widerstandskämpferinnen wie Maria Cäsar und Beiträge, die Frauen in unterschiedlichen Opfer- und Widerstandskategorien thematisieren. Neben rassistisch und religiös Verfolgten ist insbesondere die Rede vom organisierten Widerstand, der auch von Frauen getragen wurde. Dennoch - so die Historikerin Andrea Strutz - taten sich zahlreiche Aktivistinnen auch nach 1945 schwer, als NS-Opfer anerkannt zu werden: Zwei Judenburger Widerstandskämpferinnen, die sich vor der Gestapo länger als ein Jahr in einem Erdloch verstecken mussten, wurde der Status und damit eine finanzielle Entschädigung versagt. "Leben im Verborgenen" wurde erst 1972 als Schädigung im Opferfürsorgegesetz anerkannt.

Ausgehend von den Verbrechen des Nationalsozialismus beschäftigt sich ein weiterer Sammelband mit der juristischen Aufarbeitung von "Verbrechen gegen die Menschlichkeit". Abgesehen von einem guten Überblick über die Ahndung von NS-Verbrechen in zahlreichen Staaten Europas legen die Autoren besonderes Augenmerk auf österreichische Spezifika. Etwa das 1957 abgeschaffte Kriegsverbrechergesetz: Mit der Abschaffung dieses Gesetzes - so Historiker Winfried R. Garscha - sei auch der strafrechtliche Schutz der Menschenwürde aus der österreichischen Rechtsordnung verschwunden. Zwar verbiete die europäische Menschenrechtskonvention etwa Folter, Strafbestimmungen fehlten aber. Ein aktuelles Thema: Vergangene Woche forderte Heinz Patzelt von Amnesty International einmal mehr die Schaffung eines Anti-Folter-Paragraphen im österreichischen Strafrecht.

Herwig G. Höller in FALTER 24/2007



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