Easy Deutschland

Norbert Müller


Personenverzeichnisse können die Lektüre von Dostojewski-Romanen erheblich erleichtern. Norbert Müller hat seinem Roman "Easy Deutschland" ebenfalls eine solche Orientierungshilfe vorangestellt - irgendwie sind sich der arbeitslose TV-Doktor, die Managerin der Agentur "Easy Deutschland", die reiche Ausländer auf das Leben in Germany vorbereitet oder der daueronanierende Programmleiter einer Volkshochschule doch sehr ähnlich. Müller erhebt den sprachlichen Mainstream einer Daily Soap zum literarischen Prinzip; eitle Kleinschreiberei und experimentelle Literarisierungen von 9/11 überlässt er der Schriftstellerin Ann Charlotte Sauber.

Das flotte Buch über die Befindlichkeiten der Berliner Mittelschicht, die vom Glücksversprechen der Jugend ebenso weit entfernt ist wie von der Abgeklärtheit des Alters, folgt selbst dem Ideal "Tolles Buch mit Super Turbosätzen", das eine der Figuren formuliert. Wie sich Tochter und Mutter bei der künstlerischen Selbstverwirklichung in die Quere kommen oder Liebesgeschichten mit der Einsicht enden, man kuschle nun bereits wie Helmut Zilk und Dagmar Koller, lässt nicht nur einen Rückschluss auf die ausgezeichneten Österreichkenntnisse des aus Deutschland stammenden und in Wien lebenden Autors zu. Diese Episoden berichten von Lebensformen, in denen Glücksgefühle in fast zwanghafter Selbstenträtselung verdunsten. "Das Glück wartet nicht auf einen", erkennt eine der Protagonistinnen "in ihrem Cosmopolitan-Zustand."

Matthias Dusini in FALTER 22/2007



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