Zu große Fragen. Interviews 2005-1970

Hans Magnus Enzensberger


Der beweglichste aller deutschen Denker wird in zwei Jahren achtzig Jahre alt. Wie beweglich Hans Magnus Enzensberger denkt, zeigen seine versammelten Interviews, Gespräche mit Journalisten, aber auch Gespräche mit Kollegen wie Alexander Kluge. Im Nachwort von "Zu große Fragen" denkt Enzensberger darüber nach, warum Interviews, mit denen sich "faule Journalisten" nur Arbeit sparen wollten, überhaupt abgedruckt würden. Vielleicht, meint er, handle es sich um eine Art "trickreiches Rollenspiel". Es könne aber auch ein Gespräch daraus entstehen; das sei dann "der Idealfall".

Nun, Interviews leisten nicht nur der Faulheit Vorschub, sondern auch der Personalisierung. Man erfährt in diesem Buch doch einiges über Enzensberger und seine intellektuelle Biografie, über das, was er seinen "andauernden Kampf gegen die Ignoranz" nennt. Zusatz: "Nicht nur gegen die der anderen, auch gegen die eigene." Einmal stellt Enzensberger selber Fragen. Obwohl es der Interviewte Herbert Marcuse ihm überließ, sich mit "seinen dummen Sprüchen zu blamieren", wie er selbstkritisch anmerkt, druckt er das Gespräch ab. Merke: Hier wird nicht geschönt. Das war 1970. Das jüngste Interview fand 2005 statt und endet so: "Sie rauchen immer noch?" "Mehr denn je. Druck erzeugt Gegendruck. Ich halte nichts von diesen Diskussionen über Gesundheit, ich verabscheue sie. Dass die Leute heute darüber so extensiv reden, zeigt nur, dass es ihnen gut geht. Zu gut vielleicht."

Armin Thurnher in FALTER 22/2007



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