Reisen, um nicht anzukommen

Geoff Dyer, Regina Rawlinson


Zuerst war die Reportage in Outside, und daraus wurde das Kultbuch - so wie zum Beispiel Jon Krakauers Weltbestseller "In eisigen Höhen" über die Katastrophe am Mount Everest 1996 oder Sebastian Jungers Roman "Der Sturm" über einen Jahrhundertorkan. Die renommierte US-Zeitschrift feierte kürzlich ihr 25-jähriges Bestehen und veröffentlichte aus diesem Anlass drei Dutzend ihrer besten Beiträge in Buchform. Und so kann man in "Outside 25" bislang leider nur im englischen Original nachlesen, was David Quammen bei riesigen Wölfen in Rumänien erlebte oder wie David Rakoff eine ziemlich harte Survival-Schule überstand. Und wer die ursprüngliche Kurzversion von Jon Krakauers Neoklassiker "In die Wildnis" lesen möchte, der dessen Weltruhm begründete, wird in "Outside 25" ebenfalls fündig.Eher umgekehrt lief es bei Geoff Dyer, der zuerst einmal Romane und ein viel gelobtes Buch über Jazz ("But Beautiful") schrieb, ehe er kürzlich seine aparten Reisegeschichten herausbrachte. Fremde Orte und Länder (unter anderen Rom, Paris, Kambodscha, Indonesien, Thailand, Libyen) sind in den Erzählungen des Briten vor allem Kulisse für zwischenmenschliche Begegnungen, bei denen Sex und Drogen keineswegs nur Nebenrollen spielen. Moralist ist Dyer gewiss keiner, und einiges in "Reisen, um nicht anzukommen" ist politisch nicht ganz korrekt - aber eben auch recht witzig. Wie zum Beispiel ein postkoitaler Dialog mit der afroamerikanischen Jusstudentin Angela, mit der er in New Orleans eine Affäre hat und die ihn fragt, ob er es schon einmal mit einer Schwarzen gemacht habe: ",Ja' ,Wie viele?', fragte sie erleichtert. ,Zwei. Und weißt du, was das Komische ist?' ,Was?' ,Beide wollten wissen, ob ich es schon einmal mit einer Schwarzen gemacht habe.'"

Klaus Taschwer in FALTER 10/2004



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