Ehrenrunden im Salon. Kultur - Literatur - Betrieb. Essay

Klaus Zeyringer


Die meiste Literatur ist Literatur über Literatur, man erkennt es nur nicht gleich. Dieses Buch macht schon im Titel alles klar, und auch wieder nicht. Ehrenrunden dreht man nach einem Sieg, aber wer hier gewonnen hat, steht nicht fest. Eher sieht man die Literatur auf der Verliererseite. Ihre Feinde sind zahlreich und allesamt literarisch gerüstet. Es sind die Deutungsmächtigen im Salon, die deutschen Klassiker mit ihren publikumsfeindlichen Moralkeulen, die Aufsteller diverser, scheinbar ewiggültiger Kanons, die vorurteilsbehafteten und schlampig lesenden Kritiker.

Klaus Zeyringer, in Frankreich und Österreich lehrender Germanist, auch als Literaturkritiker bekannt, überführt sie alle. In seinem Essay nimmt er uns auf eine weite Reise, die allerdings teilweise ziemlich sprunghaft ausfällt. Gar zu flott springt er von einer zur anderen Epoche, vom einen zum anderen Kontinent. Hurtig treten "an Stelle von Feudalherren Manager globaler Unternehmen - und Geistesfürsten". Hier wird nicht viel differenziert, hier wird Deutungsmacht attackiert. Plattes mischt sich mit interessanten Einsichten und Ansätzen, der Essay wird zur Mischkulanz.

Vielen von Zeyringers Urteilen wird man zustimmen, etwa der Verteidigung des Romanautors Daniel Kehlmann gegen seine Rezensenten oder der Polemik gegen die Verkünder von Kanons. Am Ende aber hat man das Gefühl, dass Ehrenrunde auch so viel bedeutet wie leere Kilometer.

Armin Thurnher in FALTER 20/2007



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