Geschichte Österreichs

Steven Beller


Dieses ambitionierte Buch schafft es, mehr als tausend Jahre auf 300 Seiten unterzubringen - von den Awaren bis Wolfgang Schüssel. Dennoch ist das neue Werk des britisch-amerikanischen Historikers Steven Beller mehr als eine bloße Chronologie. Neben einer Überblicksdarstellung bietet es auch einen analytischen Blick auf die wechselvolle Geschichte Österreichs. Bemerkenswert ist die Perspektive, aus der Beller diese erzählt. Es gelingt ihm nämlich, aus den Brüchen und der Komplexität der österreichischen Geschichte ein historisches Erbe herauszuarbeiten, das er als "supranational, multinational und multiethnisch" beschreibt. Dieses anzuerkennen böte die Chance zu einer Überwindung der ambivalenten österreichischen Identität.

Immer wieder fokussiert Beller neben den großen Ereignissen die kleinen, anekdotischen Begebenheiten, die durch ihren exemplarischen Charakter auf die historischen Zusammenhänge verweisen. Auch die Einarbeitungen seiner eigenen österreichischen Wurzeln verleihen dem Buch trotz der hohen Prägnanz und Dichte einen bemerkenswert leichten, abwechslungsreichen und persönlichen Tonfall.

Steven Beller hat gleichermaßen eine Landesgeschichte und einen großen Essay über Identität geschrieben. Darin plädiert er für die Entwicklung eines weltoffenen Selbstbildes einer Nation, die oft Schwierigkeiten hat, Licht- und Schattenseiten ihrer eigenen Geschichte gleichermaßen anzunehmen.

Franz Gutsch in FALTER 19/2007



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