Anleitung zum Zukunftsoptimismus. Warum die Welt nicht schlechter wird

Matthias Horx


Reaktionäre Angst

Wird die Zukunft immer besser oder eher schlechter? Schlechter, rufen die Medien einhellig: von der Globalisierung über die aufklaffende Schere zwischen Arm und Reich, die Bildungskatastrophe und den Krieg der Kulturen bis zu Wertezerfall, zerstörter Generationenpyramide und Klimakatastrophe. Nicht auf jeden Fall schlechter, sagt Matthias Horx, seines Zeichens einer der bekanntesten Trend- und Zukunftsforscher im deutschsprachigen Raum, dem die kollektive Untergangshysterie seiner Journalistenkollegen gehörig auf die Nerven geht.

"Anleitung zum Zukunftsoptimismus" heißt sein neues Buch, das sich im ersten Teil der Analyse des Systems der Angstmache als Sucht und Geschäft widmet. Die Fantasien von der Apokalypse, die Angst vor der Zukunft, so Horx, wurzele in unserem evolutionären Erbe, unserem archaischen Geist - in hiesigen Landen in der lange währenden Nachkriegsära verstärkt als umgekehrte Trauerarbeit. Mit verheerenden Folgen, denn: "Angst macht reaktionär. Angst verhindert Zukunft." Der Apokalyptiker, er ist ein Spießer im 68er-Hemd, der via Spiegel den Alarmismus von Atomtod bis Waldsterben salonfähig gemacht hat und die Sucht des Wohlstandsbürgers nach der existenzialistischen Restwürze des Lebens zur Auflagensteigerung benutzt.

Im zweiten Teil unterzieht Horx die gängigen "Faktoide" und "grassierende Mega-Gerüchte" einem "Reality Check" und ergänzt sie durch die von den Medien notorisch ignorierten Erfolge, etwa afrikanischer Staaten wie Ghana oder Botswana; er singt provokativ ein Loblied auf die Globalisierung, die seit Menschengedenken stattfindet und, so Horx, vor allem zu Fortschritt, Wohlstand und Diversität geführt hat.

Trotz ein paar schwächerer Stellen ist das Buch Anleitung nicht zu blauäugigem, sondern evolutionär-skeptischem Optimismus. Und das fundierte und lesenswerte Buch widerlegt auch so manche "Wahrheit", die man schon immer schwer glauben konnte - etwa dass jedes vierte Mädchen sexuell missbraucht wird, dass die Jugend immer dümmer und dicker wird oder dass Eltern immer weniger Zeit mit ihren Kindern verbrächten.

Kirstin Breitenfellner in FALTER 18/2007



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