Pura Vida. Leben und Sterben des William Walker

Patrick Deville


Traurige Revoluzzer

Der amerikanische Arzt, Anwalt und Journalist William Walker (1824-1860), der mehrmals so verzweifelt wie erfolglos versuchte, Mittelamerika unter seine Herrschaft zu bringen und in Filmen von Marlon Brando und Ed Harris dargestellt wurde, steht im Mittelpunkt des Romans "Pura Vida" von Patrick Deville. Wobei "Mittelpunkt" so ziemlich das unangemessenste Wort ist, das sich in Zusammenhang mit diesem vielstimmigen Textgebilde gebrauchen lässt, in dem alles miteinander verbunden zu sein scheint.

Der Roman vereint Rückblenden auf Walkers Zeit und revolutionäre Bewegungen seit der Französischen Revolution mit einer Reise Devilles auf den Spuren der Sandinisten Nicaraguas, die zur Entstehungszeit des Buchs gerade entmachtet wurden. Inspirieren ließ sich der Autor von der gewissenhaften Recherche vor Ort, von Begegnungen mit Leuten wie Ernesto Cardenal, Erfindungen, Zufallsfunden und exzessiver Zeitungslektüre: "Ich stellte mir ein Buch vor, das jene Träume von Gerechtigkeit und Vernunft vom 14. Juli 1789 bis zum 14. Juli 1989 wiedergeben würde, die zwei Jahrhunderte lang - ein Fingerschnalzen in der Geschichte - die Besten von uns befruchtet haben." Und ein paar nicht so Gute wie eben Walker, den verwöhnten Südstaatenburschen, den die Lektüre romantischer Dichter wie Lord Byron aus der Bahn geworfen und zum schrecklichen Glücksritter gemacht hat.

"Pura Vida" ist verwirrend und doch wunderbar stimmig konstruiert; ein im Heute spielender historischer Roman, ein Handbuch des tragischen Scheiterns von Revolutionen und nicht zuletzt eine klischeefreie Liebeserklärung an Mittelamerika.

Am Ende angelangt, das hier genauso gut der Anfang sein könnte, ist der Leser angenehm gerädert - und froh, nur aus der sicheren Sofaposition an den Abenteuern teilgenommen zu haben. Nicht von ungefähr ist eines der dem Roman vorangestellten Motti jener berühmte Ausspruch von Pascal, "dass das ganze Unglück der Menschen aus einer einzigen Ursache kommt: nicht ruhig in einem Zimmer bleiben zu können".

Sebastian Fasthuber in FALTER 16/2007



ANZEIGE


FALTER abonnieren
×