Der Kalte Krieg. Eine neue Geschichte

Klaus-Dieter Schmidt


Geliebte Bombe

Zwischen Apologie und Analyse: Der Kalte Krieg wird jetzt zum Schlachtfeld für Historiker.

Beim Münchner G8-Gipfel im Februar bediente sich Wladimir Putin der Rhetorik der atomaren Abschreckung. Es war aber nur Theaterdonner, der Kalte Krieg befindet sich in der Phase seiner Historisierung. Wie ist dieser über annähernd fünfzig Jahre währende Ost-West-Konflikt aber zu interpretieren?
John Lewis Gaddis' "Der Kalte Krieg. Eine neue Geschichte" stellt im Grunde eine Apologie der Ereignisse aus US-amerikanischer Sicht dar: Es gebe keinen Grund zu bedauern, dass der Kalte Krieg stattgefunden habe, sei er doch ein notwendiger Konflikt gewesen, in dem grundlegende Fragen ein für alle Mal beantwortet worden seien, stellt der an der Yale University lehrende Historiker einleitend fest. Daraus erhellt sich der monokausale Deutungsansatz: Gaddis sieht in Stalin den Hauptverantwortlichen für den Kalten Krieg und ortet in der sowjetischen Politik insgesamt den Grund für dessen lange Dauer. Statt einer reflektierten historischen Analyse für seine im Grunde traditionelle Lesart des Konflikts zu liefern, plaudert Gaddis jedoch mit Vorliebe aus dem Nähkästchen. Und so beschleicht einen während der Lektüre seines anekdotenreichen Buchs denn auch immer wieder das Gefühl, der Kalte Krieg habe gerade erst begonnen.

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in FALTER 12/2007



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