Der Tanz der Hormone. Warum wir weinerlich, glücklich, ängstlich oder einfach...


Mal Freund, mal Feind

Was Östrogen, Testosteron und Co mit uns anstellen, erklärt Vivienne Parry kompetent und anekdotenreich.

Präsidenten, Premierminister und Taucher haben mehr Töchter als Söhne. Denn bei Männern, "die unter großem Druck stehen", drücken die Stresshormone den Testosteronspiegel, bei den Tauchern wirken die Druckverhältnisse unter Wasser. "Das durchschnittliche, nicht gestresste Alphamännchen", also mit normalem Testosteronspiegel, hingegen "zeugt Jungen", weiß die Wissenschaftsjournalistin Vivienne Parry.
Mit der Entstehung neuen Lebens ("Anziehungskraft, Sex, Babys"), "Teenagerzeit" und "Hormonen als Tyrannen" folgt "Der Tanz der Hormone" chronologisch den Hormonexplosionen des Menschen bis hin zum hormonellen Einbruch im Alter. Dabei verknüpft Parry in jedem Kapitel wissenschaftliche Grundlagen mit Anekdoten und oft haarsträubenden Berichten über "Heilmittel" von Scharlatanen. Das Buch ist kein Ratgeber, aber es hilft Ratschläge zu verstehen und einordnen zu können.
Parry gelingt es, Faszination zu vermitteln für das "elegante" Hormonsystem, das dem Menschen zusammen mit dem Nervensystem hilft sich an Veränderungen der Außenwelt anzupassen. Es steuert Stoffwechsel, Wasserhaushalt, Wachstum, Gewicht und Fruchtbarkeit. Bei vielen Vorgängen im Körper, wie zum Beispiel bei der Empfängnis, haben Hormone "auch noch ein Wörtchen mitzureden". Wir sind jedoch den Hormonen nicht vollständig ausgeliefert. Zwar können wir die Hormonproduktion nicht bewusst steuern, aber durch unsere Handlungen beeinflussen wir indirekt auch unseren Hormonspiegel.
Die Informationsfülle macht das Buch nicht immer leicht konsumierbar. Wer durchhält, erfährt aber nützliche Details: "Es steckt also ein Körnchen Wahrheit in dem alten Ammenmärchen, dass Männer mit Glatze männlicher sind." Denn sie haben einen höheren Testosteronspiegel "als Männer mit vollem Haar". Das lässt sich auch besser beweisen als Statistiken zu Mädchenzeugung unter Druck.

in FALTER 12/2007



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