Das haarsträubende Hotel. Bd.12


Kinderkult im zweiten Anlauf

Eine bizarre Buchreihe begeistert Kinder und lässt Eltern ratlos zurück. Die Geschichte der Waisenkinder Violet (14), Klaus (12) und ihrer kleinen Schwester Sunny schwelgt in sämtlichen "Don'ts" der Kinderliteratur: Alle bisher erschienenen Bände gehen übel aus, die Kinder überleben nur durch Zufall. Das schlechte Ende ist auf dem Umschlag und auf den ersten Seiten angekündigt. Alle Erwachsenen, denen die Kinder begegnen, trachten ihnen nach dem Leben oder erweisen sich als unfähig respektive unwillig, ihnen zu helfen.
Die Bücher sind langatmig und ausschweifend geschrieben. Fast auf jeder Seite werden Begriffe penetrant oberlehrerhaft erklärt, obwohl sie meist ohnehin bekannt sind. Der Autor ist in die Handlung verstrickt. Die späteren Bänden quellen über vor Verweisen und Rückbezüglichkeiten, die mit jedem Band verwirrender werden. Der aktuelle, zwölfte Band ist damit hoffnungslos überladen, die Lektüre von eins bis elf wird dringend empfohlen. Die in den USA erfolgreiche Reihe legte in Deutschland und Österreich einen Fehlstart hin. Erst ein Wechsel von Verlag und Hörbuch-Sprecher brachte die Wende: Ab Teil vier war Rufus Beck am Mikro.
Der 13. und letzte Band ist auf Englisch bereits erschienen (deutsche Fassung im Herbst). Den enttäuschten Leserreaktionen in den USA zufolge werden die Kinder auch am Ende nicht erlöst – oder nur erlöst?

Thomas Aistleitner in FALTER 12/2007



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