Fuck Forever. Der Tod des Indie-Rock

Albert Koch


Anders anders

"Fuck Forever", Albert Kochs launisch-munterer Abgesang auf die Independentkultur.

Rock 'n' roll, I gave you all the best years of my life", heißt es in einer alten Schnulze. Als plattensammelnder Musiknarr und Redakteur der Zeitschrift Musikexpress hat Albert Koch einen Gutteil seiner bislang 44 Erdenjahre der Popmusik und ihren wechselnden, oft kurzlebigen Moden gewidmet. Aber er bereut nichts, wie sein Buch "Fuck Forever" beweist, dessen Gedankenfrische manchem Mitzwanziger gut anstehen würde.
Koch zeichnet in dem schlanken Schmöker, den er nach einem Song von Pete Dohertys Babyshambles benannt hat, den Tod des Indierock nach und liefert am noch frischen Grab einen Abgesang auf die Independentkultur. In den Achtzigern war die Welt noch übersichtlich, erinnert sich der Autor: Da gab es korrekte Bands auf korrekten Indielabels und kommerziell ausgerichtete Bands auf Majorlabels. Beginnend mit Nirvanas großem Erfolg, spätestens aber mit den Strokes und Retrorock wurden Kategorien wie Major und Indie, Mainstream und Underground kräftig durcheinandergewirbelt.
Eine systematische Darstellung bietet "Fuck Forever" nicht, und es könnte infotechnisch auch ruhig etwas mehr in die Tiefe gehen. Dafür stellt Koch umso launigere Beobachtungen an. Warum die Halbwertszeit von Trends immer kürzer werden; warum es ein gutes Zeichen ist, sich für den Verriss einer David-Gilmour-Platte von alten Pink-Floyd-Fans Prügel androhen lassen zu müssen; oder über Abgrenzungsmechanismen bei Indiefans.
Mit den Kids von heute geht der Autor hart ins Gericht. Es sei lediglich eine Scheinindividualität von der Stange, die sie sich umhängen würden, indem sie bestimmte Bands hören, während ihre Kleidung bezeichnenderweise aus dem Modediskonter kommt. Böse und witzig fallen seine Charakterisierungen aus: Da gibt es den Mode-Indiespießer (interessiert an Frisuren und Sex), den Nerd (kennt alle Backkataloge und die neuesten Downloads), das Indiegroupie (würde sich nie Groupie nennen lassen), aber auch den superinformierten Musikjournalisten, der sich vor lauter Coolness leider nicht bewegen kann.
Neben Interviews mit Indiepopstar Adam Green, Indielegende Mayo Thompson (The Red Krayola), Elekronik-DJ Chris de Luca und Charlotte Roche wird das Buch durch Bestenlisten und Plattenkritiken ergänzt. Manches an "Fuck Forever" wirkt beliebig. Vielleicht kann aber nur radikale Subjektivität aus der Indie-Uniformität befreien.

Sebastian Fasthuber in FALTER 12/2007



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