Eva go home. Eine Streitschrift

Désirée Nick


Der Apfelkuchen und die Mönchskutten

2006 erschien "Das Eva-Prinzip" von Eva Herman und entfachte eine Debatte. Doch niemand wollte so recht zurück an den Herd

Am Anfang war Eva, Eva Herman. Die hatte genug von Leistungsdruck und Karriere und schrieb einen Bestseller, der ihre Karriere erst recht vorantrieb. Aber die neue Weiblichkeit, die sie meinte, war eine altbekannte: Kinder, Küche, (Kirche). Doch die Folge war ­keine Rückkehr zum Herd, sondern ein Aufschrei. Wenige Monate später lagen bereits ­Repliken vor. Karin Deckenbach fragte: "War was, Eva?". Désirée Nick konterte: "Eva go home!"
Das Schlagwort "Apfelkuchen", für dessen Selbstbacken Hermann plädierte, und die Parole "Zurück an den Herd" sind bis heute mit ihrem Namen verbunden. Ihr Buch zog eine Bilanz der Emanzipation, die ausschließlich negativ ausfiel. Der Preis für die Selbstverwirklichung der Frau (die des Mannes stand nicht in der Kritik): Deutschland stirbt aus, und seine Frauen werden immer unglücklicher. Schuld: die feministischen Einpeitscherinnen in ihren schwarzen Mönchskutten. Die Lösung: Frauen sollen aufhören, als Lohnsklavinnen zu arbeiten, und, wie es die "Natur" "vorgesehen" hat, ausschließlich als Hausfrau, Mutter und Ehegattin "segensreich" wirken. Herman (vierte Ehe, ein Sohn, steile TV-Karriere) zeigte den typischen Übereifer Bekehrter: monokausale "Wahrheit", simplifizierende Diagnosen, gewürzt mit einer Prise Romantik und Biologismus.
Debatten um Frauenthemen tragen immer die Zeichen des Kulturkampfs – entsprechend wütend waren die Reaktionen, etwa Deckenbachs oder Nicks Polemiken, die um Objektivität nicht einmal bemüht schienen. Auf die Suche nach ernsthaften Antworten machte sich einzig die Zeit-Literaturchefin Iris Radisch mit "Die Schule der Frauen". Durch die Gleichberechtigung sei der männliche Held abgesetzt worden und das System Familie ins Schlingern gekommen. Frauen lebten seither ohne Vorbilder – und wir alle in einer Welt, die nicht für ein Leben mit Kindern gemacht sei.
Das Paradoxon: In dieser durchrationalisierten, komfortablen "Glaspalast-Welt" werden junge Frauen dazu angehalten, wieder auf die Stimme der "Natur" zu hören. Ein leidenschaftliches Plädoyer für die Fortsetzung der Kooperation zwischen Frau und Mann und eine neue soziale Verbindlichkeit, aber auch die unersetzbare Zeit, die eine Familie für gemeinsame Erfahrungen, das unmittelbare Hier und Jetzt, kurz, für das schwer zu beschreibende Glück, den gelebten Augenblick mit Kindern hat.

Kirstin Breitenfellner in FALTER 50/2014



ANZEIGE


FALTER abonnieren
×