Der Fisch, der aus der Urzeit kam. Die Jagd nach dem Quastenflosser


Unter der Oberfläche

Beides uralt: James Hutton fand die Zeit in der Erde, Hans Fricke den Quastenflosser im Meer.

James Hutton (1726–1797) beschrieb als Erster die Erde als "uralt" und war somit der "Mann, der die Zeit fand". Aber er fand nicht die Zeit, sich kurz zu fassen. Sein Hauptwerk "Theorie der Erde" von 1785 war ein 1200-Seiten-Ziegel und noch dazu unverständlich geschrieben. Zur Strafe wurde der "Vater der modernen Geologie" von der Nachwelt weitgehend vergessen. Hätte er wie Charles Darwin ein populäres Meisterwerk wie "Über den Ursprung der Arten" geschrieben, wäre ihm das wohl erspart geblieben, vermutet der Sachbuchautor Jack Repcheck. Das lässt wiederum vermuten, dass Repcheck nicht auf Du und Du mit Darwin ist, denn der "Ursprung" ist eine äußerst mühsame Lektüre. Biologie ist wohl einfach öffentlichkeitswirksamer als Geologie.
Der schottische Naturphilosoph Hutton hatte erkannt, dass eine starke Hitze im Erdinneren eine dynamische Bewegung der Erdoberfläche bewirkt und diese gemeinsam mit der Erosion sehr langsam, aber kontinuierlich die Erdoberfläche geformt hatte – und nach wie vor formt. Er war zwar nicht der Erste, der an dem biblischen Erdalter von 6000 Jahren zweifelte, tat dies aber, anders als seine Vorgänger, öffentlich. "Kopernikus, Galilei und Darwin gelten gemeinhin als Schlüsselfiguren bei der Befreiung der Wissenschaft aus der Zwangsjacke religiöser Orthodoxie" – Hutton aber fehle, reklamiert Repcheck. Dabei sollte der studierte Historiker doch wissen, dass diese schroffe Gegenüberstellung – reaktionäre Kirche hier, fortschrittliche Wissenschaft dort – längst auf dem Müllhaufen irreführender Konzepte entsorgt wurde.
Leider überzeugt auch die Prosa Repchecks über das Leben Huttons sowie sein gesellschaftliches Umfeld nicht wirklich: Die Erzählung driftet stellenweise in langwierige Beschreibungen und trockene Faktenaufzählungen ab, an anderen Stellen wirkt sie spekulativ und schwatzhaft. Kurz: es mangelt an Linie, die bereits Hutton vermissen ließ.

Hans Fricke macht es besser. Der deutsche Zoologe erzählt in Text und Bildern sehr einfach, kurzweilig und persönlich über seine Passion für den "Fisch, der aus der Urzeit kam". Mit einem Alter von über 400 Millionen Jahren sorgte der Quastenflosser seit seiner Entdeckung im Jahr 1938 für Aufsehen.
Über ein Jahrzehnt seines Lebens widmete Fricke "Quasti": Seinem Team gelang als erstem, dieses lebende Fossil in seinem natürlichen Lebensraum zu filmen. Der "Kultfisch" schwamm von dort gar auf die Titelseiten – von Nature bis zur New York Times. Der Medienprofi Fricke erhielt für seine über dreißig Dokumentar- und Fernsehfilme mehrere internationale Auszeichnungen: wohl ein Paradebeispiel dafür, wie man sich heute – mit Glück und Geschick – einen Namen machen kann. Ob's gegen Vergessenwerden hilft?

Lena Yadlapalli in FALTER 12/2007



ANZEIGE


FALTER abonnieren
×