Der Kalte Krieg. Geschichte eines radikalen Zeitalters. 1947–1991


(...)

Was man bei Gaddis vermisst, löst Bernd Stöver in souveräner Art und Weise ein. In "Der Kalte Krieg. Geschichte eines radikalen Zeitalters. 1947–1991" verknüpft der in Potsdam lehrende Historiker theoretische Reflexion und narrative Darstellung der Ereignisse zu einer Art Enzyklopädie des Konflikts. Anders als Gaddis, der das Zeitalter des drohenden Atomkriegs ausschließlich als politische Geschichte erzählt, nimmt Stöver auch scheinbar periphere Bereiche wie die Sozial- oder Kulturpolitik der beiden Machtblöcke in den Blick und kommt so zu einer differenzierten und vor allem auch multikausalen Analyse. Auch expliziert er die Universalität des Kalten Krieges an der Verelendung der "Dritten Welt". Bisweilen führt Stövers systemtheoretischer Ansatz zwar zu sehr in die Abstraktion und lässt ihn die Relevanz realer machtpolitischer Faktoren vernachlässigen. Aber gegenüber der rein auf Akteure zentrierten Darstellung von Gaddis vermag Stövers verästelte Geschichtsschreibung des Kalten Krieges durchwegs zu überzeugen.

Fritz Trümpi in FALTER 12/2007



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