Tod in Afrika. Mein Leben gegen Aids


Viele Afrikas

Der Spruch "TIA" ist der Running-Gag des Hollywoodstreifens "Blood Diamonds". Egal ob Mord, Korruption oder Ausbeutung, die Erklärung "This is Africa" passt immer. Ja. Und nein. "Das Prinzip Trotzdem" des früheren Afrikakorrespondenten Michael Bitala zeigt: Es gibt viele Afrikas. In einem durchgelesen ergeben die zuvor in der Süddeutschen Zeitung erschienenen 18 Reportagen ein buntes Panorama, das eine differenzierte Wahrnehmung des dunklen Kontinents ermöglicht.
Ganz auf "Darfur" konzentriert sich Gérard Prunier. Wer im Westen Sudans gegen wen kämpft (vermeintlich "Araber" gegen "Afrikaner", aber beide sind Muslime und schwarz), wie viele Opfer es gab (50.000?, 200.000?) und ob es sich um einen Genozid handelt oder nicht, einfache Antworten gibt es bei diesem Konflikt nicht – und damit auch nur eine sehr begrenzte Öffentlichkeit in den westlichen Medien. Die Analyse des französischen Afrikaspezialisten ist profund, Grund zur Hoffnung gibt es wenig.
Die Hoffnung hat Edwin Cameron in seinem Kampf gegen Aids in Südafrika noch lange nicht aufgegeben. Der weiße Richter und frühere Menschenrechtsanwalt, selbst erkrankt, mischt Autobiografie mit Analyse, beschreibt die Wickel mit der Pharmaindustrie um leistbare Medikamente und die vorsätzliche Leugnung eines Aidsproblems durch die Regierung: engagiert, abgewogen, klischeeresistent, authentisch und menschlich. TIA heißt hier "Tod in Afrika".

Oliver Hochadel in FALTER 12/2007



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