Angriff aus Asien. Wie uns die neuen Wirtschaftsmächte überholen

Wolfgang Hirn


Chindia auf der Überholspur

Schon mal von BRIC gehört? Oder von SCO? Kommt noch. Die aufstrebenden asiatischen Wirtschaftsmächte werden das 21. Jahrhundert immer stärker dominieren.

Am Ende eines Aufholprozesses, im Jahr 2050, werden Brasilien, Russland, Indien und China (die BRIC-Staaten) zu den sechs größten Volkswirtschaften der Welt gehören. Vor allem das Modell China (autoritärer Staat mit liberaler Wirtschaft) könnte für andere asiatische, afrikanische und lateinamerikanische Staaten als Vorbild dienen. Auf diese Thesen stützt sich das Buch "Angriff aus Asien" des Wirtschaftsjournalisten Wolfgang Hirn, das Lust macht, mehr über den aufstrebenden Kontinent zu lernen.
China und Indien ergänzen sich ideal: China ist die Fabrik der Welt, Indien die Software-Bude. Wirtschaftlich rücken die beiden Länder näher zusammen, manche sprechen schon euphorisch von Chindia. Und beide asiatischen Staaten hungern nach Rohstoffen: Russland liefert Gas und Öl, Brasilien Eisenerz und die Agrarprodukte.
Die großen Technologiekonzerne haben bereits F&E-Zentren in Indien aufgebaut. Auch anspruchsvolle Dienstleistungen werden nach Indien ausgelagert: Rechtsberatung, Auswertung von Röntgenbildern, EKGs oder klinische Tests, Banktransaktionen und Designkonzeption.
China produzierte lange Zeit nur Billigware wie Schuhe, Textilien und Spielzeug. Heute stellt es auch qualitativ hochwertige Produkte wie Handys, Computer und Autos her. Bald werden es Flugzeuge und Satelliten sein. Während Nationen wie Japan und Südkorea die eine oder andere Industrie in billigere Länder auslagern mussten, kann China auf sein Hinterland zurückgreifen, in dem die Bewohner zu deutlich geringeren Stundenlöhnen arbeiten.
Und Asien organisiert sich. Schon mal von der Shanghai Cooperation Organization (SCO) gehört? Dahinter stecken potente Mächte, allen voran Russland und China. Mit dabei sind Kasachstan, Kirgisistan, Tadschikistan und Usbekistan. Einmal jährlich treffen sich die Regierungschefs, 2006 war auch Irans Präsident Mahmud Ahmadinejad dabei. Sollte der Iran sich noch fix zu dieser Runde gesellen, wäre die SCO im Besitz von siebzig Prozent der Weltgasreserven. Eine Gas-Opec lässt grüßen.
Und der Westen? Wolfgang Hirn sieht zahlreiche Baustellen: Die Gesellschaft sei dekadent, das Bildungssystem marode und der Sozialstaat aufgebläht. Europa müsse mehr in Bildung und Forschung investieren, lautet eine seiner zentralen Forderungen. Im Westen würden nur Sonntagsreden geschwungen, in Asien jedoch viel Geld in diese beiden Bereiche investiert. Das kleine Südkorea etwa bildet jährlich genauso viele Ingenieure aus wie die USA. Und sie sind gleich gut, wenn nicht sogar besser.

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in FALTER 12/2007



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