Das Schlangenschwert

Sergej Lukianenko, Ines Worms


Es gibt sie noch, die Bücher, die selbst superliberale, allesverstehende Eltern zur Verzweiflung bringen. Dass sie auch noch serienweise hergestellt werden, macht es nicht einfacher. "Spook" etwa bringt "Fälle" aus dem Leben eines Geisterjägers und seines 13-jährigen Schülers Tom. Hier spuken keine harmlosen Gespenster, es wird gefoltert und gekillt - mit beachtlicher Liebe zum Detail (Verlagsempfehlung: ab zehn). In einer mittelalterlichen Welt leben zahlreiche böse Geschöpfe unter der Erde und ernähren sich am liebsten von Menschenblut. Aufgabe eines Spook ist es, sein Land vor solchen Wesen zu schützen, vor allem wenn sie gemeinsame Sache mit den Hexen machen. Was die Serie von Geistergeschichten und Gewaltfantasien abhebt: Der grausamste Feind ist kein Monster, sondern die Inquisition. "Spook. Der Fluch des Geisterjägers", ist der zweite Band der Bestsellerreihe, in England sind sie schon beim vierten.

Eine 70er-Jahre-Ästhetik prägt die Bilder von Nikolaus Heidelbach in "Königin Gisela", die Story selbst scheint noch ein bisschen älter zu sein. Das schiffbrüchige Mädchen Gisela verschlägt es auf eine Insel. Dort wohnen die braven Erdmännchen, die ihr jeden Wunsch erfüllen. Aber Gisela wird übermütig und knechtet die treuen Tierchen. Am Ende setzen sich diese zur Wehr. Recht geschieht ihr, beim Struwwelpeter! Unwiderstehlich für Kinder ab vier.

Das Setting im ersten Jugendbuch von Sergej Lukianenko ("Wächter der Nacht") ist an sich nicht so gruselig, doch die Ideen des russischen Erfolgsautors sind dunkler als jede Horrorfantasie: "Es war der Tag, an dem sich meine Eltern für den Tod entschieden. Das Sterberecht wird ihnen durch unsere Verfassung garantiert." Mit diesem ersten Satz des Buches wird der 13-jährige Tikkirej aus seinem gewohnten Leben geworfen und landet in den Politwirren des Imperiums der Planeten. Es ist eine kontrollierte, manipulierte, trostlose Welt. Wie es sich für Science-Fiction gehört, hat der Held eine Spezialwaffe. Allerdings funktioniert "Das Schlangenschwert" nur, wenn Tikki seine Befehle auch wirklich ernst meint. Im Mittelpunkt steht eine Bubenfreundschaft, aber der Autor denkt auch an die Leserinnen und bringt rechtzeitig eine 14-jährige Partisanin ins Spiel.

Thomas Aistleitner in FALTER 11/2007



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