New York City Rock. Underground und Hype von 1950 bis heute


Fortschritt dank Verweigerung" ist für den Velvet-Underground-Mitbegründer John Cale im Vorwort zu Mike Evans' Buch "New York City Rock" der Schlüssel zum Geheimnis der seit Jahrzehnten legendären und lebendigen Musikszene der Stadt. Deren Originalität und Selbsthass, so Cale weiter, würden schon dafür sorgen, "dass das so charakteristische Feuer noch lange brennen wird". Gut 200 Seiten später kommt der Independent-Musiker Ed Hamell zu dem Schluss: "Die ständige Bewegung macht ihre Schönheit aus. Es ist eine wunderbare, inspirierende, widerstandsfähige Stadt, die sich immer wieder aufbäumen wird." Diesem vielfach beschriebenen und gepriesenen Reiz versucht nun Evans analytisch beizukommen, indem er rund fünf Dekaden New Yorker Rockgeschichte und die unterschiedlichsten mit ihr verbundenen Subkulturen möglichst akribisch nachzeichnet. Das Ergebnis ist zwiespältig: Einerseits verliert Evans die eigentliche Geschichte streckenweise unter einem Wust an Fakten (Bandnamen, Plattentitel et cetera) aus den Augen; gleichzeitig wird sein enzyklopädischer Ansatz durch eine Reihe irritierender Schlampereien untergraben. Einen interessanten Spagat zwischen Poptheorie, Analyse des Musikjournalismus und einer Textsammlung zu mehr oder weniger aktuellen Popthemen unternimmt Thomas Venker, Chefredakteur des deutschen Popmagazins Intro. In "Ignoranz und Inszenierung. Schreiben über Pop" diskutiert und analysiert er die Arbeit und die Bedeutung des gegenwärtigen Popjournalisten und plädiert für eine Rückkehr der kritischen Subjektivität und eine verstärkte politische Lesart. Mit einer bisweilen etwas selbstgerechten Emphase arbeitet sich Venker an klassischen Popthemen - etwa "Pop und Gender" - ab und illustriert seine theoretischen Überlegungen mit ausgewählten Arbeiten aus der eigenen journalistischen Praxis.

Gerhard Stöger in FALTER 9/2004



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