Tatort New York

Lena Mares


Die Kurzgeschichte "Chefsache" der Wienerin Fran Henz spielt in New York, es geht um Ladendiebstahl und sexuelle Nötigung, aber dahinter steckt ein böser Plan. Am Ende gehen ein Auto und ein übermütiges Leben kaputt. Nett! Aus etwas schizophrener Perspektive wird in dem Kurzkrimi-Sammelband "Tatort New York" noch ein "Big Project" ausgebreitet. Die ebenfalls in Wien lebende Amaryllis Sommerer erzählt ein bisschen anlassig vom tiefen Sturz eines New Yorker Filmproduzenten, der Besuch aus Österreich erhält. Da man aus Alfred Polgars "Sein letzter Irrtum" weiß, dass man in Amerika nicht aus dem Fenster springt, kann es sich ja nur um Mord handeln! Das ist nicht ganz so nett, aber es finden sich in dieser von Lena Mares herausgegebenen Anthologie noch genug Storys, die fein zu lesen sind, und mit zehn Euro unterstützt man gerne einen ambitionierten Kleinverlag.

Wie eine Kreuzung aus "Six Feet Under" und einem Kölner Tatort wirkt "Des Schreinermeisters schönster Sarg", wobei das Personal eher aus der amerikanischen TV-Serie übernommen scheint. Wer beide genannten Fernsehspiele zumindest ansatzweise kennt, bekommt jedenfalls eine ganz gute Vorstellung vom zweiten Roman von Gunnar Steinbach um den nunmehr ehemaligen Kommissar Elmar Kugelmeyer. In Fischbach passiert nie etwas, das wissen die Einwohner genau, die einander alle beim Vornamen nennen. Freddi zum Beispiel ist Bestattungsunternehmer und gegen Ende des Romans ein Dreifachmörder.
Nicht wegen der Morde, sondern aufgrund anonymer Drohbriefe ermitteln Detektive in dem Kaff, mit ihnen auch der aus dem Staatsdienst entlassene Kugelmeyer. Dann verschwinden zwei ältliche Damen, ein Kollege wird bewusstlos geprügelt, und Freddi versucht, den Außenseiter des Dorfes anzuschwärzen. In erfrischend boshaftem Stil, ohne Anbiederung an lokale Dialekte, schildert Steinbach Szenen aus der deutschen Provinz. Einzig die Einteilung in oft nur drei Seiten kurze Kapitel nervt ein wenig, aber man bleibt trotzdem gerne dabei. Da der Leser den Täter von Anfang an kennt, ist die Lösung dann auch nur in moralischer Hinsicht unerwartet.

Martin Lhotzky in FALTER 10/2007



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