Das große österreichische Gartenbuch


Froschgoscherln

"Das große österreichische Gartenbuch" ist auch interessant, wenn man statt Ackerland nur ein Balkonkisterl zu bewirtschaften hat.

Lederleitner, Praskac, Starkl: Diese Namen kennt der Garten-oder Dachterrassenfreund. Doch Markus Lederleitner, Franz Praskac oder Angelika Starkl gehören nicht nur zu den großen Gartengestaltern, Baumschullehrern oder Gartenbauern des Landes - sie haben auch Ahnung. Wahrscheinlich wurden sie deshalb von der Redaktion beim Ueberreuter-Verlag gefragt, Expertenbeiträge für "Das große österreichische Gartenbuch" zu verfassen, das soeben pünktlich zum Start der Vor-der-Tür-Saison erschienen ist.

Wer einen Garten bearbeitet, auf der Dachterrasse Pflanzkübel beackert oder am Balkon Blumenkistln bestellt, sieht sich überversorgt mit allerhand Ratgeberliteratur - vom "Gärtnern für Doofe" bis zu "Tipps für biologisch-dynamischen Landbau". Nicht zu vergessen die vielen bunten Hochglanzmagazine für den Gartenfreund. In den wenigsten Fällen gehen die Autoren aber auf die ausgesprochen unterschiedlichen Landschaften, Boden-und Klimaverhältnisse in Österreich ein. Wo ist schon vom pannonischen Klima die Rede, wo vom alpinen? So gesehen ist der neue 320-Seiten-Wälzer ganz hilfreich, denn was im illyrisch geprägten Raum im Süden super wächst, kommt womöglich in den rauen Alpen nicht durch den Winter - selbst wenn das Ratgeberbuch "winterhart" behauptet.

Pannonischer Raum, Alpenvorland und Böhmische Masse, alpiner und illyrisch geprägter Raum: Was sonst recht nervig sein kann, nämlich der Österreich-Bezug, ist im Gartenbuch wichtig (wobei es in Wien im "trockenen Osten" sehr pannonisch zugeht). Man erfährt viel von heimischer Gartenkultur und lokalem Grünzeug, von Murkenkräutl, Froschgoscherl oder Gretl in der Stauden. Experten geben Praxistipps zum Zier-, Kräuter-, Obst-oder Gemüsegarten. Oder sie zeigen, wie man in unseren Breiten mit Balkon und Terrasse richtig umgeht. Wer "Das große österreichische Gartenbuch" im Haus hat, kann andere Gartenbücher getrost vergessen.

Christopher Wurmdobler in FALTER 10/2007



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