Aus dem Leben einer Verblühenden

Marion Pfau


Die gefühlte Chancenlosigkeit der Generation Praktikum, der sich die Berlinerin Marion Pfaus in ihrem Debüt "Aus den Memoiren einer Verblühenden" verschrieben hat, ist nicht unbedingt liebenswert. Sehr im Unterschied zu ihrer hyperlakonischen Auskunft über den Alltag einer alleinerziehenden Mutter aus poststudentischen Kreisen, der es Perspektive genug ist, wenn bei Bedarf ein Mann für sie abfällt und wenn immer ordentlich Wodka im Kühlschrank steht. Es fällt schwer, in wenigen Worten zu beschreiben, was diesen Roman so außergewöhnlich macht, denn dieses Buch ist ohne Vergleich. Pfaus hat einen federleichten literarischen Sound kreiert, ein sprachliches Ist-doch-egal-Prinzip. Die Depression der Protagonistin wird als Spaß am Leben interpretiert: das suchthafte Festhalten an der Süße des Bohemien-Dasein das Jammern über den eigenen Mangel an Bürgerlichkeit, die Unfähigkeit zur Beziehung, das ganze postpubertäre Zeug, das man dereinst in WG-Küchen bis zur Verspießerung durchdiskutiert hat.

Auch die globalisierte Ökonomie ist nicht unbedingt liebenswert. Im Gegensatz zu einem Kurzroman, der sie mit ihren eigenen Waffen schlägt. "Schnelle Welten", das Debüt des Münchners Wolfgang Asen, stellt so etwas wie eine feindliche Übernahme der hyperkapitalistischen Strategien durch die Literatur dar. Asen erzählt so rasant, wie es nur auf den Weltautobahnen des Wirtschaftsinformationsaustausches erlaubt ist. Mit derselben ökonomischen Effizienz, mit der Konzerne die Welt zum Dorf machen, hetzt er den Computerchiphändler Weinstein mehrmals rund um den Globus. Je eineinhalb Seiten, dann ist erzählt, was der Businessman in Salt Lake City, Tokio oder in Thailand erlebt hat: immer das Gleiche! Geschäft abgeschlossen. Sex gehabt. Drogen genommen. "An seinen freien Tagen machte er lange Wanderungen. Er streifte durch die Abruzzen, ging auf Hochplateaus in den Anden, machte Ausflüge in den Sinai oder ins schottische Hochland." Ganz beiläufig, aber umso schlüssiger, wird hier darauf hingewiesen, wie arm eine wirtschaftlich optimierte Welt ist. Aus diesem Buch ist alles verbannt, was ein Manager aus der Literatur wegrationalisieren würde, wenn sie sein Unternehmen wäre.

Martin Droschke in FALTER 9/2007



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