Vienna


Metropoldi

Die Stilbibel "Wallpaper*" hat jetzt auch Wien mit einem City Guide geadelt. Demnach ist unsere Stadt wahnsinnig stylish.

Touristen erkennt man am Guide. Also nicht der Person, die oft mit peinlichen Aufmerksamkeitsaccessoires ausgestattet größeren Fußgruppen voranmarschiert. Gemeint sind die mehr oder weniger schlauen Büchlein, aus denen sich Wienbesucher vor Sehenswürdigkeiten vorlesen. Menschen mit Stil würden nie mit großformatigen Reiseführern durch die Gegend laufen. Und deshalb hat der Kunstbuchverlag Phaidon gemeinsam mit der Stilbibel Wallpaper* die englischsprachige Reihe "City Guide" im Din-A-6-Format im Programm. Dezent geleiten die Büchlein Globetrotter mit Stil durch die Metropolen der Welt. Insider geben Geheimtipps, wie man 24 Stunden in den betreffenden Städten am sinnvollsten verbringt, die illustrierenden Fotos von Bars, Restaurants, Geschäften, wichtigen Bauwerken und Design-Landmarks sind glossy wie nur. Und jetzt ist also endlich Wien dran. Oder vielmehr "Vienna".

Innen-, Donau-und Leopoldstadt, das MuseumsQuartier, das Freihausviertel und Neubau sind laut Wallpaper* die Neighbourhoods, die man in Wien gesehen haben muss. Architektonisch beeindrucken Uno-City, Postsparkasse, Günther Domenigs T-Center, die Hotels sind durchwegs durchdesignt. Man soll im MQ im Una frühstücken und dann in die Kunsthalle, schnell noch zu Schullin am Kohlmarkt (wegen Hans-Hollein-Design), ins Mak und zum Nachtmahl ins Sternerestaurant Coburg. Was auffällt: Die meisten Hot Spots in diesem Führer sind nicht älter als fünf Jahre. Und die meisten Orte finden sich nicht in normalen Reiseführern. Auf diese Weise sieht Wien plötzlich extrem unverstaubt aus, modern und irre metropolig. Womöglich bekommt der 24-Stunden-Gast ja einen ganz falschen Eindruck von der Stadt. Womöglich ist das aber auch gar nicht schlecht. Dass den Machern des Guides gleich auf der ersten Seite ein Fehler unterlaufen ist und auf einem Panoramafoto das Café Prückel ins Nachbarhaus verlegt wurde, da sehen wir jetzt mal drüber hinweg.

Christopher Wurmdobler in FALTER 8/2007



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