Die Welt ist flach. Eine kurze Geschichte des 21. Jahrhunderts

Thomas L. Friedman, Michael Bayer


Auf amazon.com hält "Die Welt ist flach", der neue Bestseller des New York Times-Kolumnisten Thomas L. Friedman, bei knapp 900 Besprechungen. Wieder einmal hat der dreifache Pulitzerpreisträger zumindest bei seinen US-amerikanischen Lesern (bereits mehr als zwei Millionen) den Nerv getroffen. Die Kernthesen der nicht zuletzt auf Reportagen aus Asien beruhenden, flott geschriebenen Globalisierungseloge sind schnell zusammengefasst: Nachdem in den letzten Jahrzehnten die Herstellung von Konsumgütern von Turnschuhen bis T-Shirts in billig produzierende Teile der Welt ausgelagert wurde, werden im 21. Jahrhundert dank des Web 2.0. auch intellektuell anspruchsvolle Dienstleistungen wie Steuererklärungen oder radiologische Auswertungen längst anderswo erledigt. Und damit nicht alles nach Indien oder China abwandert, hat Friedman einige leidenschaftliche Ratschläge für seine Landsleute parat, die unter anderem ihr Bildungssystem verbessern, vor allem aber die quasi unbegrenzten Möglichkeiten des Web 2.0. noch besser nützen sollten.

Kein einziges Mal in Friedmans über 700 Seiten starkem, aber mitunter doch etwas flachem Buch wird Joseph E. Stiglitz erwähnt, Wirtschaftsnobelpreisträger 2001 und zurzeit Professor an der Columbia University in New York. Der ehemalige Spitzenökonom der Weltbank galt in den vergangenen Jahren als einer der prononciertesten Kritiker der Globalisierung - zumindest in ihren neoliberalen Ausprägungen. In seinem neuen Buch "Die Chancen der Globalisierung" erklärt Stiglitz zwar Friedmans Kernthese beiläufig für falsch ("Nicht nur ist die Welt nicht flach, in vielerlei Hinsicht wird sie immer zerklüfteter"), macht aber dennoch etliche Vorschläge, wie die Globalisierung in Zukunft auch den ärmeren Staaten dieser Welt etwas bringen könnte. Diese Ideen muten zum Teil zwar etwas utopisch an (internationale Handelsgerichtshöfe, Schluss mit den protektionistischen Landwirtschaftssubventionen u.a.) - sympathischer und durchdachter als Thomas Friedmans euphorischer Techno-Liberalismus sind sie allemal.

Klaus Taschwer in FALTER 51-52/2006



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