Café Westend

Peter Ahorner


Mit "Zidane" gelang Peter Ahorner und dem Duo Die Strottern ein Wienerliedhit. Nun sind die drei beim Schutzhausfest zu hören.

Es war ein Schnellschuss mitten ins Kreuzeck. Zwei Tage nach dem Finale der Fußball-WM, bei dem der französische Spielmacher Zinédine Zidane mit seinem Kopfstoß zum tragischen Helden avancierte, schrieb ihm Peter Ahorner eine Würdigung. Eine Woche später trat der Dichter mit dem jungen Wienerlied-Duo Die Strottern in Gamlitz auf, präsentierte die hochkomische Ode auf den besten Spieler der WM zum ersten Mal öffentlich und hatte damit - zumindest in der Sparte Wienerlied - den Sommerhit des Jahres kreiert.

"Zidane" kreist um den genialen Ausraster von Zizou, der unter anderem auch gefragt wird, womit ihn der italienische Verteidiger Materazzi provoziert habe. So will Ahorner mit schwerem französischem Akzent von Zidane wissen: "'at er gesagt: ,Taisez-vous'? C'est-à-dire: 'alt die Gosch'n zu. 'at er dir gesagt: ,Pemper dich selber'? 'at er gesagt: ,Fais l'amour in deine Knie'? Mon capitain, c'est la vie!" Die Musik sei damals von den Strottern einfach dazuimprovisiert worden, erinnert sich Ahorner. "Und typisch: Nachher ist es uns nie mehr so gut gelungen."

Glücklicherweise wurde in Gamlitz mitgeschnitten und "Zidane" erschien auf Mini-CD in einer 300-Stück-Auflage, die längst ausverkauft ist; die Downloads im Internet gehen mittlerweile in die Tausende. Der Song bescherte Ahorner, bis dahin vor allem in Wienerliedkreisen als Textdichter hochgeschätzt, sogar ein Angebot vom Burgtheater: Gemeinsam mit Nicholas Ofczarek, Robert Reinagl und Johannes Krisch erarbeitet er nun ein Programm zum Thema Schmerz. "Da gibt es nämlich keine Themenverfehlung, weil es tut eh fast alles weh."

Nun kann man die poetischen Preziosen des 1957 in Bregenz geborenen Dichters endlich auch nachlesen. Vergangene Woche erschien unter dem Titel "Café Westend" der erste Band mit seinem "Wienerischen" Werk: Gedichte, Reflexionen ("und wos hod a schmettaling / waun a faliebt is / in sein bauch? / menschn? - sicha ned!"), Liedertexte und Minidramen, die bei Ahorner wirklich kürzestmöglich sind. Das Drama "Vanessa" zum Beispiel: "Heast geh net fuat, bei mia host as guat. / Mir geht's eh scho bessa. Deine Vanessa."

Die aktuelle musikalische "Hauptgruppe" von Ahorner sind Die Strottern, die sich zum einen der Traditionspflege widmen, zum anderen aber auch neue Texte für Geige, Gitarre und Gesang vertonen. Daneben arbeitet der Dichter mit dem und für das Kollegium Kalksburg. Beide Formationen sowie der große Mikrodramatiker Antonio Fian, die Weltmusiker Alp Bora, Marvan Abado und Marios Anastassiou sind diese Woche beim zweiten Schutzhausfest zu hören.

Klaus Taschwer in FALTER 48/2006



ANZEIGE


FALTER abonnieren
×